Aufkleber und T-Shirt Blog

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Museum für Aufkleber – Wiedereröffnung in Berlin

257608_web_R_K_by_Robert Babiak_pixelio.deManche empfinden Aufkleber an Straßenlaternen und Mülltonnen als störend, andere schmunzeln darüber, wieder andere nehmen sie schon gar nicht mehr wahr und dann gibt es den Berliner Oliver Baudach: Wenn er durch die Straßen geht, schweift sein Blick in alle Ecken, um ja keinen Aufkleber zu übersehen. Vielleicht ist ja ein besonders schönes Exemplar dabei, das er noch nicht in seiner Sammlung hat. Baudach ist nämlich ein Aufkleberfan. Genauer gesagt ist der 43-Jährige der Inhaber des Aufklebermuseums im Berliner Stadtteil Friedrichshain.

Seit 30 Jahren faszinieren Baudach die bunten Klebebildchen. Im Jahre 2008 eröffnete er deshalb schon einmal sein Museum, das er leider 2012 aus finanziellen Gründen wieder schließen musste. Jetzt versucht er sein Glück erneut und stellt in der Schreinerstraße etwa 4.500 Sticker aus seiner Sammlung aus. Insgesamt umfasst diese aktuell etwa 30.000 Aufkleber. Chaos herrscht angesichts der Menge an Aufklebern aber trotzdem nicht. Der Sammler hat eine bestimmte Ordnung eingeführt. Die Aufkleber werden in Kisten gelagert, wo sie nach Künstlern, Firmen und Ländern sortiert sind. Jeden einzelnen Sticker kennt er. Am liebsten mag Baudach Aufkleber von Street Artists. So hat er beispielsweise ein Exemplar, auf dem der US-Präsident Barack Obama mit blutigen Lippen zu sehen ist. Daneben gibt es Sticker mit coolen Sprüchen und Comicfiguren.

Auf der 92 Quadratmeter umfassenden Museumsfläche hat der Sammler zwei Räume mit unterschiedlichen Schwerpunkten eingerichtet. Zu sehen sind Aufkleber zu den Themen Musik, Skateboarden, Streetwear und Street Art. Die Sticker sind angelehnt an die Präsentation auf der Straße. Dort sind ebenfalls „wilde Collagen von Motiven und Sprüchen“ zu sehen, so der Sammler. Die Besucher des Museums haben zumeist über soziale Netzwerke oder über Freunde davon erfahren. Über ein Werbebudget verfügt Baudach nicht. Zwischen 80 und 100 Besucher kann der Sammler dennoch pro Monat in seiner Ausstellung begrüßen. Sogar ein Australier war schon darunter. Von ihm erfuhr er, dass sein Museum als eine kuriose Berliner Sehenswürdigkeit im Internet gelistet ist.

Die Sammelleidenschaft packte Baudach bereits im Alter von 13 Jahren. Seine Lieblingssticker waren Aufkleber von Skateboardmarken. Als Erwachsener führte er einen eigenen Skateshop, was ihm beim Stickersammeln entgegenkam. Die Firmen überschütteten ihn regelrecht mit Aufklebern. Welches Ausmaß die Stickerkultur hatte, erkannte er als 14-Jähriger nach seinem Umzug von Speyer nach Berlin. Irgendwann wollte er wissen, ob es eigentlich ein Museum für Sticker gab. Er wurde über Google nicht fündig und schon war die Idee für ein Aufklebermuseum geboren. Baudach machte sich auf die Suche nach einem Sponsor, den er in einem Skateboardhersteller fand, lieh sich bei seinen Eltern Geld und hatte schlussendlich 8.000 Euro Startkapital zusammen. Das reichte aus, um 2008 sein Museum zu eröffnen, einige Monate die Miete zu zahlen und Bilderrahmen für die Sticker anzuschaffen.

Über einen parallel laufenden Onlineverkauf von Stickern wollte er die weitere Finanzierung sicherstellen. Zunächst schien der Plan aufzugehen. Bis zu 1.500 Aufkleber monatlich gingen in die Welt hinaus. Im Gegenzug erhielt er von Künstlern Exemplare für sein Museum. Trotzdem musste er sein Museum nach vier Jahren wieder schließen. Nun der Neuanfang, der hoffentlich unter einem besseren Stern steht.

Das „Hatch Stickermuseum“ befindet sich in der Schreinerstraße 10. Es hat Mittwoch bis Samstag von jeweils 12 bis 18 Uhr geöffnet. Für 2,50 Euro können sich Interessierte in die bunte Welt der Sticker entführen lassen.

Bildquelle: © Robert Babiak / Pixelio.de