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Gurlitts Kunst auf Leinwand geht nach Bern

661875_web_R_K_by_Wolfgang Dirscherl_pixelio.deEndlich scheint der Streit über die Kunst auf Leinwand des am 6. Mai 2014 verstorbenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt zu Ende: Im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung gab der Stiftungsratsvorsitzende der Stiftung Kunstmuseum Bern, Christoph Schäublin, am 24. November 2014 bekannt, dass das Kunstmuseum Bern das Erbe von Gurlitt annimmt. Eine Entscheidung, auf die viele Menschen monatelang gewartet haben.

Das heißt aber nicht, dass nun alle Kunstwerke demnächst in Kisten verpackt werden und den Weg nach Bern antreten. Der komplizierte Fall Gurlitt geht auch nach seiner scheinbaren Lösung kompliziert weiter. So wurde als Erstes ein 13 Seiten starkes Papier von Schäublin, der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sowie dem bayerischen Justizminister Winfried Bausback (CSU) unterzeichnet. Es beinhaltet den detaillierten Umgang mit dem Ende Februar/Anfang März 2012 im Münchner Stadtteil Schwabing gemachten Kunstfund. Schäublin bringt es auf den Punkt: „Im Grunde stehen wir jetzt nicht am Ende, sondern am Anfang eines langen Weges, den wir miteinander abschreiten wollen.”

Dennoch hofft wohl jeder, dass der Wirrwarr um die Bilder endlich beendet ist. Angefangen hat alles bereits im September 2010, als Zollbeamte Cornelius Gurlitt im Zug von Zürich nach München kontrollierten. Ihr Fund von 9.000 Euro in bar zog ein Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung nach sich. Die Staatsanwaltschaft Augsburg beantragte einen Durchsuchungsbeschluss für Gurlitts Wohnung. Die ganze Prozedur nahm über ein Jahr in Anspruch. Bis nach Vorliegen des Beschlusses die Wohnung in München-Schwabing durchsucht wurde, ging noch einmal ein halbes Jahr ins Land. Dann der sensationelle Fund: In der Wohnung fanden die Beamten 1.280 Kunstwerke. Darunter Gemälde von Picasso, Chagall, Klee und anderen namhaften Künstlern. Zuerst wurde nur eine Berliner Kunsthistorikerin damit beauftragt, nach dem Ursprung der Bilder zu forschen. Für eine Person war die Sammlung aber zu umfangreich. Deshalb wurde nach der Veröffentlichung des Fundes – was erst Anfang November 2013 geschah und große Empörung nach sich zog – eiligst die “Taskforce Schwabinger Kunstfund” gegründet. Sie sollte die Herkunft von insgesamt 1.258 Kunstobjekten klären. Bei 499 entschied sie, dass es sich möglicherweise um NS-Raubkunst handelt. Drei Bilder – eins von Liebermann, eins von Spitzweg und eins von Matisse – konnten bislang den rechtmäßigen Erben zurückgegeben werden.

Im Februar 2014 wurden in Gurlitts Haus in Salzburg noch einmal 60 Kunstwerke sichergestellt. Sie galten als der wertvollste Teil der Sammlung. Darunter befanden sich beispielsweise Gemälde von Monet, Manet und Renoir. Mit anwaltlicher Hilfe schlossen Gurlitt, die Bundesrepublik und der Freistaat Bayern eine Vereinbarung. Für die Werke, die als NS-Raubkunst klassifiziert werden können, sollte mit den rechtmäßigen Besitzern beziehungsweise dessen Erben “faire Lösungen” gefunden werden. Die Taskforce-Chefin Ingeborg Bergreen-Merkel (CSU) sah zu diesem Zeitpunkt die Gurlittsche Sammlung bereits in einem Museum in München. Doch sie hatte die Rechnung ohne den Kunstsammler gemacht. Jener hatte bereits in seinem Testament das Kunstmuseum Bern als Erben festgelegt. Es nimmt nun endlich das Erbe an, die Taskforce wird aber weiter nach der Herkunft bestimmter Bilder forschen, im Auftrag des Museums. 440 Werke, die bereits als “Entartete Kunst” identifiziert wurden, treten sofort die Reise in die Schweiz an. Das gilt weiterhin für etwa 280 Bilder, die von Verwandten Gurlitts selbst geschaffen oder nach 1945 gekauft wurden. Dennoch bleibt noch eine Vielzahl an Gemälden übrig, deren Herkunft ungewiss ist. Mit dem Antritt des Erbes ist somit nicht viel mehr geklärt als vorher. Wie sagte Schäublin: „Im Grunde stehen wir jetzt nicht am Ende, sondern am Anfang eines langen Weges.“

Bildquelle: © Wolfgang Dirscherl / Pixelio.de

Vorschau für Ausstellungen zu Kunst auf Leinwand bis zum Jahre 2019 in Apolda

622917_web_R_K_B_by_bagal_pixelio.deDie Matisse-Schau ist die aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Apolda Avantgarde. Bis zum 14. Dezember 2014 können sich die Besucher im Rahmen derer noch zahlreiche Kunstwerke des französischen Malers, Grafikers, Bildhauers und Zeichners Henri Matisse anschauen. Er und Pablo Picasso sind die wohl bekanntesten Vertreter der klassischen Moderne. Unglaublich, dass eine Sammlung mit einer solchen Bedeutung in der Kunstwelt in der kleinen thüringischen Stadt Apolda zu sehen ist! Das könnte unter anderem am Kunstvereinsgeschäftsführer Hans Jürgen Giese liegen. Gemeinsam mit acht ehrenamtlichen Mitgliedern des Vereins kümmert er sich darum, dass der Veranstaltungskalender im Kunsthaus immer prall gefüllt ist. Dazu nutzt er seine Kontakte, beispielsweise zum Kunstsammler Thomas Rusche, der im westfälischen Oelde wohnt und von Beruf Textilunternehmer ist.

Gemeinsam mit Rusche arbeitet Giese gleich an der Realisierung von zwei Projekten. Nach der Matisse-Schau wird vom 11. Januar bis 15. März 2015 die Ausstellung „Bittersüße Zeiten“ mit Werken aus Barock und Gegenwart der Sammlung SØR Rusche Berlin/Oelde zu sehen sein. Sie ist eine direkte Gegenüberstellung von aktuellen und barocken Gemälden. Dabei sein werden Malereien von der jungen bulgarischen Malerin Oda Jaune, dem Barockmaler Jacob Adriaensz Backer, der 1963 in London geborenen britischen Künstlerin Tracey Emin, dem 1970 in Tokio geborenen Jonathan Meese und vielen anderen.

Damit es für die einzelnen Veranstalter nicht zu teuer wird, organisiert Giese die Ausstellungen zumeist als Tournee. Zugleich steht er in ständiger Verbindung zu einem ganzen Kuratorenteam. Bis ins Jahr 2019 konnte er dadurch den Terminkalender für das Kunsthaus in Apolda füllen und das, obwohl 2018 sein letztes Jahr als Geschäftsführer sein wird. Doch er ist sich sicher, dass er auch 2019 noch weitermacht. In dem Jahr ist Bauhaus-Jubiläum und dafür liegen schon große Pläne vor: Es wird eine Feininger-Schau geben.

Doch nun zurück in die nahe Zukunft. Auf die „Bittersüßen Zeiten“ folgt vom 29. März bis 31. Mai 2015 Leo Putz und die Münchner Künstlergruppe „Die Scholle“. Im Gepäck hat sie Malerei zwischen Impressionismus und Expressionismus. Die ausgestellten Werke stammen aus der Sammlung von Siegfried Unterberger. Nach einer zweiwöchigen Pause lädt vom 14. Juni bis 23. August 2015 der deutsche Künstlerkreis des Café du Dome in Paris ein und das sogar mit einem heimischen Künstler. Eugen Hamm erblickte 1885 unweit des Kunsthauses das Licht der Welt und war später Schüler an der Académie Matisse. Anschließend ging er nach Leipzig und wurde dort zum Mitbegründer des Expressionismus.

Vom 12. September bis 13. Dezember 2015 werden unter dem Motto „Ich liebe das Leben“ Werke von Niki de Saint Phalle aus dem Sprengel-Museum Hannover gezeigt. Vom 10. Januar bis 23. März 2016 geht es um „Gott und die Welt. Hoffnung und Zweifel.“ Wiederum gibt es zeitgenössische und altmeisterliche Kunst aus der Sammlung SØR Rusche Berlin/Oelde zu sehen. Außerdem ist für 2016 eine Ausstellung mit Fotografien von Linda McCartney aus der Sammlung Reichelt und Brockmann im Gespräch. Disney-Fans kommen bei der Donald-Duck-Ausstellung „Ente gut, alles gut“ auf ihre Kosten. Im Luther-Jahr (2017) wird eine Schau mit dem Thema „Jesus reloaded“ der Frage nach Gott auf den Grund gehen. 2018 gibt es passend zur EGA Blumenbilder von Emil Nolde. Die Matisse-Schau haben sich übrigens schon über 5.000 Besucher angesehen.

Bildquelle: © bagal / Pixelio.de

Vom Poster in die Kinos – endlich Premiere von „Tribute von Panem-Mockingjay“

707729_web_R_K_B_by_Klaus Friederici_pixelio.deSchon lange machen sich die Kinobetreiber darüber Gedanken, wie sie die Premiere des ersten Teils von „Tribute von Panem-Mockingjay“ ansprechend gestalten können. Dabei sollte doch der Film an sich passionierte Cineasten scharenweise in die Kinos locken. Im CinemaxX in Hamburg-Dammtor wird mit dem Streifen gleich ein ganzes Premieren-Wochenende eingeläutet. Dabei kommen Kino- und Handballfans gleichermaßen auf ihre Kosten. Unter dem Motto „Mehr als Kino“ startet am Freitag gleich ein ganzes Wochenende voller Premieren.

Bereits am Donnerstag steht allerdings – pünktlich zum bundesweiten Kinostart – die Premiere von „Tribute von Panem-Mockingjay“ auf dem Programm. Am Freitag folgt sozusagen die zweite Premiere des Films. Bevor dieser aber an dem Tag über die Leinwand flimmert, geben sich die Profis vom HSV Handball die Ehre. Das CinemaxX ist Exklusiv-Partner des Handballbundesligaclubs, der momentan auf Platz 5 der Tabelle steht. Die komplette Mannschaft wird ab 18.30 Uhr im Kino anwesend sein und Aufgaben übernehmen, die sonst den Mitarbeitern des Kinos zufallen. Wer beispielsweise von Torwart Johannes Bitter sein Popcorn oder von Mannschaftskapitän und Rückraumspieler Pascal Hens sein Ticket in Empfang nehmen möchte, hat am Freitag die Gelegenheit dazu. Natürlich bleibt dabei auch Zeit, um einen Plausch mit den Spielern zu halten, um ein Autogramm zu bitten oder ein Foto mit dem Lieblingsspieler aufnehmen zu lassen. Außerdem wartet im Saal 1 des Kinos auf die Besucher eine besondere Überraschung, die an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird. Aber auch an ihr sind die Handballprofis beteiligt.

Insgesamt 33 Kinos werden von CinemaxX in Deutschland und Dänemark betrieben. Allein in Hamburg stehen neben dem vorgenannten an drei weiteren Orten Lichtspielhäuser dieses Betreibers. Zeitgleich mit „Tribute von Panem-Mockingjay“ feiern die türkische Komödie „Insaat 2“ und der US-amerikanische Thriller „Keine gute Tat“ ihren Kinostart. Wer es nicht bis zur offiziellen Premiere von „Tribute von Panem-Mockingjay“ aushält, kann bereits am Mittwoch, den 19. November zur Vorpremiere ins Kino am Dammtor kommen. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20.00 Uhr, um 20.30 Uhr und um 23.15 Uhr. Wird die Original-Version des Films bevorzugt, geht dafür ab Donnerstag jeweils um 19.30 Uhr der Vorhang auf.

Seine Deutschlandpremiere feierte der Film übrigens am 11. November in Berlin, und zwar an dem Ort, wo vor nicht einmal einem halben Jahr die Schauspieler noch vor der Kamera gestanden haben. Als Stargast konnte lediglich Elizabeth Banks begrüßt werden. Das „Special Screening“, wie der Event genannt wurde, fand im Kraftwerk in der Köpenicker Straße statt. Es war allerdings nicht der einzige Drehort in der Hauptstadt. Der Flughafen Tempelhof wurde zum „Distrikt 2“ umgewandelt, eine alte Zementfabrik in Rüdersdorf stand für den „Distrikt 8“ Pate. Auch das ICC und die Senatsverwaltung für Inneres in der Klosterstraße mussten für Aufnahmen herhalten. Für die Berliner also ein doppelter Anreiz, endlich mal wieder ins Kino zu gehen.

Überschattet wurden die Dreharbeiten vom plötzlichen Tod des Schauspielers Philip Seymour Hoffman. Statt auf digitale Animationen zu setzen, entschied sich der Regisseur Francis Lawrence für eine Änderung des Drehbuchs. Hoffman wurde am 2. Februar 2014 tot in seinem New Yorker Appartement aufgefunden. Er starb an einer tödlichen Mischung aus Amphetamin, Kokain, Heroin und Benzodiazepinen. Die Ermittlungsbehörden gingen von einem Unfall aus. Auf einem Poster zum Film war er nicht zu sehen.

Bildquelle: © Klaus Friederici / Pixelio.de

Pop-Art – die grellbunte Kunst auf Leinwand

576917_web_R_K_by_Dr. Stephan Barth_pixelio.deBei Pop-Art werden alltägliche Dinge zu Kunst. Der bekannteste Vertreter dieses Kunststils dürfte Andy Warhol sein. Mit seinen gemalten Suppendosen wurde er weltbekannt. Hauptsächlich die Tomatensuppe wird mit dem Künstler in Verbindung gebracht. Wer aber genauer hinschaut, kann verschiedene Suppen erkennen.

Es ist übrigens ein Trugschluss, dass es sich bei den „Campbell´s Soups“ um sein Lieblingsessen handelte. Häufig wird angenommen, dass der Künstler aus Mangel an Zeit – oder aus mangelndem Kochvermögen? – täglich Dosensuppe verspeist hat. Das stimmt allerdings nicht. Vielmehr erhielt er diese Suppendosen mit einem Wert von jeweils 99 Cent als Bezahlung für seine Kunstwerke. Dabei hatte er sich ausgerechnet von den dafür abgegebenen Werken viel Geld und seinen Durchbruch in der Kunstszene erwartet. Später hatte er diesen dann auch noch, zwar mit anderen Motiven, doch die Suppendosen sind sein Markenzeichen geblieben.

Pop-Art entstand etwa zeitgleich in den USA und in England. Die Künstler ließen sich vom Alltag inspirieren. Was Warhol seine Suppendosen waren, waren für Roy Lichtenstein Comics. Er malte ebenfalls alltägliche Gegenstände beziehungsweise Szenen und versah sie ganz comictypisch mit Sprechblasen und Wörtern wie „Krawumm!“ oder „Peng!“.

Wichtigstes Kennzeichen der Pop-Art sind die grellen bunten Farben, in denen gemalt wird. Dagegen spielen die Motive eher eine nebensächliche Rolle. Sie müssen eben lediglich aus dem Alltag stammen. So wählte der eine Künstler Geldscheine als Motiv, während der andere Blumen auf die Leinwand brachte und wieder ein Anderer malte Kühe.

Ein weiterer Angehöriger der Pop-Art-Szene war der Künstler Richard Hamilton. Er formulierte zum Entsetzen der gesamten Kunstszene im Jahre 1957 die Maßstäbe, die seiner Ansicht nach Kunst zur damaligen Zeit zu erfüllen hatte: „Pop­ulär, massen­pro­duziert, ver­brauch­bar, bil­lig, witzig, sexy, spie­lerisch, auf­fal­l­end, ver­führerisch.“ Da waren einige Attribute dabei, mit denen sich Künstler der alten Schule auf keinen Fall identifizieren konnten und wollten. So wurde die Formulierung von Hamilton dann auch als Skandal bezeichnet. Der Künstler stellte alle bisher geltenden Werte infrage, ja er erteilte ihnen sogar eine Absage. Bis dahin war Kunst Authentizität und Originalität. Sie hatte eine tiefergehende Bedeutung, sollte dem Betrachter etwas vermitteln. Vor allem war sie nicht jedem zugänglich, sondern zumeist nur einer ausgewählten Schicht vorbehalten.

Pop-Art dagegen war und ist anders. Sie soll(te) das Interesse aller wecken und für jeden bezahlbar sein. Das war ein kompletter Bruch mit den bisher geltenden Maßstäben. Dennoch setzte sich die Kunst durch. Seit mehr als 50 Jahren ist sie nunmehr fester Bestandteil der Kunstszene. Ganz haben die Künstler ihre Wurzeln aber nicht vergessen. Sie waren beispielsweise gelernte Plakatmaler oder Grafiker, hatten also durchaus die Grundzüge des Malens und Gestaltens gelernt. Die erworbenen Kenntnisse konnten sie vorzüglich mit in den neuen Kunststil hineinnehmen.

Dass ihnen dies gelungen ist, davon können sich Interessierte noch bis zum 11. Januar 2015 im Museum Ludwig in Köln überzeugen. Unter dem Titel „Museum Ludwig goes Pop“ werden zahlreiche Gemälde von Roy Lichtenstein, Tom Wesselmann, Robert Rauschenberg und vielen anderen Pop-Art-Künstlern gezeigt. Das Museum verfügt dank dem Ehepaar Peter und Irene Ludwig über eine der international bedeutendsten Pop-Art-Sammlungen. Dabei waren die beiden Sammler anfangs geschockt von der neuen Kunstrichtung. Ihr Herz gehörte vorher der alten Kunst. Da war der Schritt zur Pop-Art schon ein sehr bedeutender, durch den sie mit alten Vorlieben brechen mussten. Doch schnell wurden sie zu Liebhabern der fröhlich-bunten Kunstwerke.

Bildquelle: © Dr. Stephan Barth / Pixelio.de

Am vergangenen Wochenende gab es Kunst auf Leinwand bei der „Artthuer“

28701_web_R_K_by_Paul-Georg Meister_pixelio.deVom 7. bis 9. November 2014 fand in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt die Kunstmesse „Artthuer“ statt. Mehr als 5.000 Besucher nutzten die Gelegenheit, um an zahlreichen Ständen die Kunst der Gegenwart zu bewundern. Und da wurde einiges gezeigt. Längst sind Ölgemälde auf Leinwand nicht mehr das Einzige, was unter Kunst zu verstehen ist. Gerade im letzten Jahrhundert hat die Kunst eine enorme Wandlung vollzogen. Die „Artthuer“ ist der beste Beweis dafür. Neben Leinwandkunst gab es dann dementsprechend auch Skulpturen, Plastiken, Grafiken, Fotografien, Videos und sogar Schmuck in der Erfurter Thüringenhalle zu bestaunen.

Künstler und Besucher schätzen an der Messe vor allem das familiäre Ambiente. Mit seinem Lieblingskünstler einmal ein persönliches Gespräch führen? Hier ist es möglich. Manche Künstler sind schon über zehn Jahre dabei. Sie kommen nicht nur aus Thüringen, sondern mittlerweile aus ganz Deutschland. Sogar aus dem Ausland konnten bereits Aussteller und Besucher begrüßt werden. Viele kennen sich von früheren Ausstellungen. Manch einer kommt nur wegen eines bestimmten Künstlers hierher. Es wird gefachsimpelt und auch verkauft, wobei Letzteres nicht zwangsläufig an erster Stelle steht. Die meisten Geschäfte beziehungsweise Geschäftsbeziehungen ergeben sich erst im Nachhinein, weiß ein langjähriger Aussteller zu berichten.

Natürlich werden ebenfalls Preise vergeben. Jedes Jahr wird der mit 5.000 Euro dotierte Kunstpreis der „artthuer – Kunstmesse Thüringen“ verliehen. In diesem Jahr wurde die Grafikerin Sabine Rittweger aus Eisenach als Preisträgerin ausgewählt. Ihr Projekt – ein großformatiges Eitempera-Bild von zwei Stühlen – entstand nach ihrer Rückkehr aus Berlin vor zwei Jahren. Dort war Rittweger als Thüringer Stipendiatin der bildenden Kunst. Von der Inspiration des quirligen und vielfältigen Lebens in der deutschen Hauptstadt zehrt sie noch heute. Trotzdem möchte sie nicht woanders arbeiten. In Thüringen sei die Kunstszene überschaubar und die Atmosphäre gut, sagt sie. Allerdings ist es nach der Wiedervereinigung Deutschlands schwerer geworden, von der Kunst zu leben. Das liege vor allem an den gestiegenen Lebenshaltungskosten. Den Publikumspreis erhielt die Meininger Bildhauerin Claudia Katrin Leyh.

Ein paar Stände weiter stellt eine pensionierte Augenärztin aus Erfurt ihre Kunstwerke aus. Ihre „Plantagrafien“; wie sie selbst ihre Bilder nennt, zeigen Pflanzen, aber auf eine nicht alltägliche Art. Der Fokus liegt auf den grafischen Strukturen der Pflanzen. Um diese zu erkennen, muss man schon sehr genau hinschauen. Die Künstlerin tat das. Sie fotografierte Pflanzen stark vergrößert und fertigte sogar Röntgenbilder von ihnen an. Teilweise kam dafür Kontrastmittel zum Einsatz. Entstanden sind einzigartige Bilder, die Blumen und Pflanzen aus einer äußerst seltenen Betrachtungsweise zeigen.

Die „Artthuer“ hielt für Groß und Klein Spannendes bereit. Es gab Präsentationen, Perfomances, Kunstaktionen, Vorträge, Gesprächsrunden, Führungen für Schüler und zahlreiche Angebote für Kinder. Wie in vielen anderen Bereichen mangelt es auch der Kunstszene an Nachwuchs. Unverständlich für die Künstler. Immerhin steht den jungen Talenten die ganze Welt offen. Selbst Stipendien in New York sind nicht mehr unerreichbar, wie es zu Zeiten des geteilten Deutschlands der Fall war. Dennoch scheint sich kaum jemand für das Verdienen seines Lebensunterhalts als Künstler zu interessieren. Aufträge für diese kommen von Privatleuten und öffentlichen Institutionen. Gerade Thüringen investierte nach der Wende einiges an Geld in die Kunst. Deshalb fühlen sich die Künstler im Freistaat ausgesprochen wohl.

Bildquelle: © Paul-Georg Meister / Pixelio.de

Ein Jahr nach Gurlitt – was hat sich bei der NS-Raubkunst auf Leinwand getan?

666461_web_R_K_B_by_Wolfgang Pfensig_pixelio.deCornelius Gurlitt war nie ein Nazi. Davon ist der Anwalt des am 6. Mai 2014 in München verstorbenen Kunsthändlersohns überzeugt. Cornelius hatte einst die wertvolle Kunstsammlung seines Vaters Hildebrandt Gurlitt geerbt. Bei einem Großteil dieser Sammlung aber handelte es sich vermutlich um NS-Raubkunst auf Leinwand. Der Fund der mehr als 1.500 Kunstwerke ging als „Schwabinger Kunstfund“ in die Geschichte ein und er veränderte einiges, was den Umgang mit NS-Raubkunst betrifft. So wird in Magdeburg ein Zentrum eingerichtet, wo die Fäden bei der Suche nach der Herkunft betroffener Kunstgegenstände zusammenlaufen. Die Zustimmung dafür gab Anfang Oktober die Kultusministerkonferenz (KMK). Das Zentrum wird den Namen „Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste“ tragen. Noch in diesem Jahr soll es errichtet werden. Die Kosten dafür tragen Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände. Die Stiftung wird als zentraler nationaler und internationaler Ansprechpartner in Sachen NS-Raubkunst fungieren. Weiterhin sollen Angebote für private Sammler und Museen erarbeitet werden, so wie es die Washingtoner Prinzipien empfehlen.

Seit fast 70 Jahren ist die Herrschaft der Nazis vorbei und noch immer sind deutsche Museen Lagerplatz für entartete Kunst, wie die NS-Raubkunst auch bezeichnet wird. Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bezeichnet diesen Zustand als unerträglich. Sie empfindet die Gründung des „Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste“ als wichtigen Meilenstein im Rahmen der Aufarbeitung des Kunstraubs durch die Nationalsozialisten. Bereits im Jahre 1998 hatten sich insgesamt 44 Länder auf die Einhaltung gewisser Regeln im Umgang mit NS-Raubkunst verständigt. Jetzt sollen auch Privatpersonen einbezogen und ermutigt werden, ihre Kunstbestände mit Hilfe der Stiftung aufarbeiten zu lassen. Dass es hier bisher an Unterstützung mangelte, zeigt der Fall Gurlitt überdeutlich. Es gehe nicht zwangsläufig um einen materiellen Ausgleich. Vielmehr steht die Anerkennung des Unrechts, welches die Opfer erlitten haben, im Vordergrund. Dies ist zumindest die Meinung von Grütter. Das neue Zentrum wird einerseits die bisherige Koordinierungsstelle Lost Art in Magdeburg in sich aufnehmen, andererseits wird ebenfalls die in Berlin befindliche Arbeitsstelle für Provenienzforschung dorthin verlegt.

Der Fall Gurlitt ist indes immer noch nicht abgeschlossen. Das von Gurlitt als Alleinerbe eingesetzte Kunstmuseum Bern hat bisher keine Entscheidung über die Annahme des Erbes getroffen. Eine solche wurde für den 26. November in Aussicht gestellt. Bis dahin ruhen alle weiteren Aktivitäten in diesem Fall. Kurz vor Gurlitts Tod stand die Einigung mit den Erben bezüglich der Kunstwerke „Sitzende Frau“ von Henri Matisse und den „Reitern am Strand“ von Max Lieberman unmittelbar bevor. Mit dem Ableben des Kunstsammlers aber geriet die Sache wiederum zum Stillstand. Die Anspruchsteller warten bis heute auf die Bilder. Sollte das Museum die Erbschaft ausschlagen, würde die Rückgabe noch einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Kunstmuseum spricht diesbezüglich von konstruktiv verlaufenden Gesprächen, die aber noch nicht abgeschlossen seien.

Allein über die Zahl, bei wie vielen Bildern aus der Sammlung es sich tatsächlich um NS-Raubkunst handelt, herrschen weit auseinandergehende Ansichten. Die eigens gebildete Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ spricht von mehreren hundert Werken. Gurlitts Anwalt dagegen sagt lediglich acht Gemälden eine „möglicherweise dunkle Vergangenheit“ nach. Somit wird uns der Fall Gurlitt wohl doch noch eine ganze Weile beschäftigen und es bleibt abzuwarten, ob die Herkunft der Bilder wirklich aufgeklärt werden kann.

Bildquelle: © Wolfgang Pfensig / Pixelio.de