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Kunst auf Leinwand bietet nicht nur zur Saisoneröffnung das Pahl-Museum

487282_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de (2)Wäre es nach dem Gemeinderat des Ortes gegangen, wäre das Pahl-Museum in Mainhardt-Gailsbach längst abgerissen. Dem Freundeskreis des Museums ist es zu verdanken, dass das Museumsgebäude im neuen Glanz erstrahlt. Seit dem 1. Mai hat es wieder geöffnet und zeigt bis zum 1. Oktober Kunst auf Leinwand.

Zur Eröffnung gab es ein zünftiges Weißwurstessen im Freien. Davor oder danach hatten die zahlreich erschienenen Besucher die Möglichkeit, sich in den frisch renovierten Ausstellungsräumen umzusehen. Präsentiert werden vornehmlich Werke von in der Region ansässigen Künstlern und Künstlerinnen beziehungsweise solchen, die es werden wollen. So gesellen sich zur Gemälde-Dauerausstellung des namensgebenden Ehepaares Manfred und Aenne Pahl aktuell einige von Schülern der Realschule Mainhardt gestaltete Arbeiten. In einem anderen Raum begegnen sich die Mitglieder der Mainhardter Kunst AG und des Arbeitskreises Kunst der Sozialeinrichtung Erlacher Höhe auf künstlerischer Ebene.

Besonders die Arbeiten der Schüler sind interessant, zeigen sie doch, dass sich auch junge Menschen in der heutigen Zeit intensiv mit der Malerei beschäftigen können. Ein Schuljahr lang wurde sich im Fach Kunst dieser gewidmet. Die Schüler sollten einen Künstler oder eine Künstlerin wählen und sich mit deren Arbeitsweise näher auseinandersetzen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Viele haben sich für das Abmalen der Gemälde entschieden. Manche haben eigene Ideen umgesetzt und diesen lediglich den Stil ihres ausgewählten Künstlers beziehungsweise ihrer ausgewählten Künstlerin zugrunde gelegt.

Dass sich alle ausführlich mit dem Thema beschäftigt haben, beweisen die ebenfalls öffentlich ausgestellten Arbeitsmappen. Hier haben die Schüler ihre Recherchearbeiten zusammengestellt und ihre eigenen Gedanken zu den Kunstwerken festgehalten. Im Kontext mit den dazugehörigen Bildern ergibt sich eine eigene, erfrischend junge Sicht auf die mitunter recht „angestaubten“ Gemälde und die zum Teil jahrhundertealten Kunststile.

Die Sammlung des Ehepaares Pahl umfasst etwa 300 Ölgemälde sowie ungefähr 3.000 Grafiken. Letztere stehen teilweise zum Verkauf, sodass ebenfalls Kaufinteressenten in den Museumsräumen herzlich willkommen sind. Der 1994 verstorbene Manfred Pahl hatte sich dem Expressiven Realismus verschrieben. Seine Werke und die seiner Ehefrau Aenne vermachte er einst seiner Stiftung. Die Museumsgebäude standen gleichfalls im Eigentum der Pahls. Manfred Pahl hatte sie Mitte der 70er-Jahre nach seinen selbst entworfenen Plänen erbauen lassen. Nach seinem Tode wurde die Gemeinde Mainhardt Eigentümer derselben.

Die Verwaltung der Kunstsammlung liegt in den Händen von Adam Matheis. Er war es auch, der nach der Renovierung vorwiegend Künstlern der Region Räume zum Ausstellen ihrer Werke zur Verfügung stellen wollte beziehungsweise will.

Die Präsentation der Schülerarbeiten wird noch etwa einen Monat zu sehen sein. Ab 12. Juni weichen jene den Werken von Siegmund Piontek. Der heute 95-Jährige ist einer der letzten noch lebenden Schüler Manfred Pahls. Die neue Ausstellung hat das Schaffen von Künstlern aus dem Raum Hall zum Mittelpunkt. Neben Piontek werden Arbeiten von Friedrich Karl Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg, Johannes Seibt, George Finley, Christa Schmid-Ehrlinger und Werner Jost gezeigt. Zur feierlichen Eröffnung wird weiterhin der ortsansässige Klarinettist Hans Kumpf zugegen sein und für eine passende musikalische Umrahmung sorgen.

Das Pahl-Museum hat Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen jeweils von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Zu finden ist es im Mainhardter Ortsteil Gailsbach, Hauptstraße 6.

Bildquelle: © Dieter Schütz / Pixelio.de

Picasso-Kunstwerke auf Leinwand in Marseille zu sehen

390902_web_R_K_by_Bildpixel_pixelio.de (2)Das Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers hört sich nicht unbedingt nach Kunst an. Vielmehr scheint es sich um ein Museum zu handeln, das sich mit der Geschichte der Menschheit in Europa und speziell mit den Menschen im Mittelmeerraum befasst. Ganz falsch ist das nicht. Immerhin ist die Kunst eng mit der Menschheitsgeschichte verknüpft. Malereien, Skulpturen und ähnliches geben Auskunft über das Leben der Menschen in vergangenen Zeiten. Da liegt es nahe, dass in den Museumsräumen ebenfalls Kunstausstellungen stattfinden.

Eine solche wurde unlängst eröffnet und beschäftigt sich mit niemand Geringerem als Pablo Picasso. Etwa 270 Werke von ihm sind zu sehen. Der Titel der Ausstellung lautet “Picasso, un génie sans piédestal”, was in etwa mit „Picasso, ein Genie ohne Sockel“ übersetzt werden kann. Ein weiterer Schwerpunkt der Schau sind volkstümliche Traditionen, die auf den Künstler gleichfalls großen Einfluss hatten. Er ließ sich von den Bräuchen und der Kunst seines Volkes inspirieren. Besonders von Erlebnissen aus seiner Kindheit, die er in Katalonien verbrachte, zehrte der Maler sein ganzes Leben lang.

Geboren wurde Picasso 1881 in Málaga. Im Alter von sieben Jahren siedelte die gesamte Familie nach Barcelona um. Schnell wurde die neue Stadt seine Heimat. Hier wagte der junge Pablo auch seine ersten Malversuche. Unter Anleitung seines Vaters begann er im Jahre 1889 das Ölgemälde „Picador“. Es zeigt einen Stierkämpfer in der Arena und wurde 1890 vollendet. Das Bild gilt als das erste bekannte Ölgemälde Picassos. Im Laufe seines Lebens sollte noch eine Vielzahl weiterer, auf der ganzen Welt bekannter Kunstwerke entstehen.

Stierkampfszenen widmete sich Picasso des Öfteren. Die aktuelle Ausstellung beinhaltet beispielsweise zwei Bilder mit dem Namen “Der Matador”, die aus einer privaten Sammlung stammen. Der traditionelle Corrida, wie der Stierkampf in der Landessprache heißt, war eine der mannigfaltigen Inspirationsquellen des Künstlers. Schaut man sich die Gemälde auf Leinwand genauer an, scheint Picasso aber eine etwas andere Sicht auf die Dinge zu haben. Er stellte nur selten eine Siegesszene des Toreros, also den Tod des Stieres, dar. Das Bild „Der Stierkampf” etwa bildet den Torero als Verlierer ab. Damit ist es mit einer eher ungewöhnlichen Aussagekraft behaftet.

Neben der Malerei war Picasso Bildhauer und Grafiker. Deshalb sind im Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers nicht nur Bilder auf Leinwand ausgestellt, sondern weiterhin Skulpturen, Grafiken und Keramiken. Zusammengetragen wurden die Exponate aus Museen und Privatsammlungen. Vom Pariser Picasso-Museum stammen fast 70 Ausstellungsstücke. Aus privater Hand kommen dagegen die „Männerbüste (II)“ und das „Spanische Paar“. Wesentlicher Bestandteil dieser Gemälde sind zwei traditionelle spanische Kopfbedeckungen: die Mantilla, ein Schleiertuch für Frauen, sowie die Barretina, eine rote Wollmütze, die ausschließlich den Männern vorbehalten ist. Jene Accessoires sind in vielen Werken des Künstlers wiederzufinden.

Bis zum 29. August hat die Ausstellung noch geöffnet. Für 9,50 Euro können die Museumsbesucher in die spanische Lebensweise des ausklingenden 19. Jahrhunderts und des 20. Jahrhunderts aus Sicht eines der bedeutendsten Künstler unserer Zeit eintauchen. Die Gärten und die Aussichtsterrasse des Museums sind frei zugänglich.

Das Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers wurde 2013 im Alten Hafen von Marseille eröffnet. Anlass war die Ernennung der Stadt zur Kulturhauptstadt Europas.

Bildquelle: © Bildpixel / Pixelio.de

Düsseldorfer Nacht der Museen zeigte nicht nur Kunst auf Leinwand

8287_web_R_K_B_by_Dietmar Meinert_pixelio.de (2)Wie facettenreich Kunst sein kann, bekamen rund 20.000 Interessenten in der Nacht vom 9. zum 10. April in Düsseldorf zu sehen. Mehr als 50 Kunstinstitutionen der Stadt hatten bis zwei Uhr morgens ihre Türen geöffnet, um den zahlreichen Gästen die unterschiedlichsten Ausprägungen von Kunst zu nahezubringen. Werke von großen Meistern waren ebenso darunter wie Exponate von hoffnungsvollen Nachwuchskünstlern. Außerdem gab es ein buntes Rahmenprogram mit Musik, Tanz und Lesungen. Eine große Zahl der Künstler war darüber hinaus anwesend und stand für ein persönliches Gespräch bereit.

Ob Laie oder Profi: Jeder, der sich in irgendeiner Weise mit Kunst verbunden fühlt, kam in der Museumsnacht auf seine Kosten. Es war bereits das 16. Mal, dass diese stattfand. Der rege Zuspruch gab den Organisatoren Recht, dass Kunst zeitlos und stets präsent ist. Wie sie interpretiert wird, ist Ansichtssache und der Fantasie eines jeden selbst überlassen. Dementsprechend konnten neben Gemälden auf Leinwand beispielsweise auch futuristisch anmutende Installationen aus Metall und ausdrucksstarke Fotografien betrachtet werden.

Über 40 Museen, Galerien und andere Orte, an denen Kunst eine wichtige Rolle spielt, standen für einen Besuch in den späten Abend- und Nachtstunden offen. Dabei war nicht nur ein Gang durch die Ausstellungsräume, sondern auch ein Blick hinter die Kulissen möglich. Zu den beteiligten Örtlichkeiten zählten etwa das Stadtmuseum, das NRW-Forum und die Kunsthalle. Eher ungewöhnlich muteten dagegen Kirchen, der Hafen und U-Bahnhöfe als Standorte für eine Kunstausstellung an. Dennoch nahmen sie an der „Nacht der Museen“ teil und konnten sich über einen nicht abreißenden Besucherstrom freuen. Damit jener ungehindert fließen konnte, wurde ein Shuttle-Bus eingesetzt, dessen Nutzung im Eintrittspreis von 14 Euro inklusive war.

Eins der Highlights war die erst seit Kurzem in der Kunstsammlung NRW gezeigte Gemäldeausstellung vom ehemaligen Henkel-Konzernchef Konrad Henkel. Seine Witwe Gabriele Henkel stellte einige Werke aus der umfangreichen Sammlung ihres verstorbenen Mannes dafür zur Verfügung. Bislang konnten diese nur in der Konzernzentrale bewundert werden. Dort schmückten sie die Flure, Treppenhäuser und Büros. Jetzt werden sie erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Henkel war vor allem ein Liebhaber der abstrakten Kunst, wie die von Imi Knoebel, Günther Uecker und Gerhard Richter gefertigten Gemälde auf Leinwand beweisen.

Was wäre Düsseldorf ohne Karneval? Jacques Tilly, der für seine bissig-satirischen Rosenmontagswagen zum Thema Politik deutschlandweit bekannt ist, beteiligte sich gleichfalls aktiv an der „Nacht der Museen“. Er nahm die Besucher mit in sein Allerheiligstes: In seinem Atelier konnten diese der Entstehung eines solchen Karnevalswagens von der Idee dazu über die Auswahl der geeigneten Materialien bis hin zur Fertigstellung beiwohnen.

Wer zwischendurch eine Pause benötigte und „den Kopf ein bisschen frei bekommen wollte“, konnte im Plenarsaal des Landtages einem spanischen Gitarristen lauschen oder in der Basilika St. Lambertus mit einem 15-köpfigen Kammerchor auf eine Reise durch sieben Jahrhunderte Musik gehen. Stand einem der Sinn dagegen nach einem Tänzchen, war das Benrather Schloss ein empfehlenswertes Ziel. Dort wurde unter der Leitung von Profitänzerin Isabell Edvardson Walzer getanzt.

So bot die Düsseldorfer Museumsnacht für jeden etwas und man kann sich sicher sein, dass es nicht die letzte Veranstaltung dieser Art in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt war.

Bildquelle: © Dietmar Meinert / Pixelio.de

Eine Bibliothek für Kunst: Die Artothek verleiht Bilder auf Leinwand

487244_web_R_K_B_by_Rosel Eckstein_pixelio.de (2)„Kunst für Jedermann“ ist das Motto in der Artothek, die kürzlich im Seevetaler Ortsteil Meckelfeld eröffnet hat. Die Idee dahinter ist angelehnt an eine Bibliothek: Man kann etwas ausleihen. Allerdings stehen in der Artothek keine Bücher dafür bereit, sondern Kunst auf Leinwand. Wer sich für eins der Bilder interessiert, kann dieses mitnehmen und bei sich Zuhause oder an einem anderen Ort aufhängen.

Aufgebaut ist das Ganze wie eine Ausstellung. Sie steht unter der Leitung von Gabriele Maidorn, die gleichzeitig die Leiterin der Zentralbücherei Meckelfeld ist. Ein Jahr lang werden 55 Werke von drei aus der Region kommenden Künstlern gezeigt. Die Geesthachterin Jutta Gehrke-Freund machte 1999 die Malerei nach 40 Jahren im Büro zu ihrem Lebensinhalt. Sie nahm an mehreren Seminaren teil und erhält ihre Inspiration aus den Werken der Meister des Kubismus und Impressionismus.

Yvonne Lautenschläger ist 1964 in Bielefeld geboren, wuchs im Rheinland auf und zog schließlich nach Hamburg, wo sie seit 1998 lebt. Sie bezeichnet ihre Arbeiten als subversiv, die auf den ersten Blick äußerst dekorativ erscheinen, auf den zweiten Blick aber auch eine Botschaft vermitteln. Der einzige Herr in der Runde ist der in Seevetal lebende Rentner Peter H. Nissen. Der ehemalige Gymnasiallehrer, der unter anderem von 1978 bis 1994 am Gymnasium in Meckelfeld unterrichtete, hat 2011 die Liebe zur Acrylmalerei entdeckt.

Die zwei Künstlerinnen und der Künstler stell(t)en der Artothek Werke zur Verfügung, die eine enorme Bandbreite an Kunststilen abdeckt. Die Motive auf den Leinwänden reichen von Blumen über maritime Ansichten bis hin zu Landschaften, die der Fantasie entsprungen sind. Schon die Vernissage am 3. April ließ einige Hoffnung für eine erfolgreiche Zukunft aufkommen. Erschienen waren etwa 50 Gäste, die nicht nur die Kunstwerke auf Leinwand bewunderten, sondern auch Gespräche führen und Musik lauschen konnten. In der wohligen Atmosphäre konnte dann auch ein Bild verkauft werden, für sieben weitere haben sich bereits interessierte Entleiher registrieren lassen.

Bis Ende März 2017 können die Ausstellung besucht und Bilder geliehen werden. Das Angebot richtet sich nicht nur an Privatpersonen, auch Firmen sind herzlich willkommen. Der Ausleihzeitraum beträgt jeweils drei Monate. Dafür wird eine geringe Gebühr fällig, die sich an dem Wert des Bildes bemisst und gestaffelt berechnet wird. Die Leihgebühren betragen demnach 5, 10 oder 15 Euro. Weiterhin wird ein Jahresabonnement angeboten, das die Ausleihe von vier Bildern beinhaltet. Außerdem ist der Kauf von Bildern möglich. Eine eventuell entrichtete Leihgebühr wird dabei auf den Kaufpreis angerechnet.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind analog zu denen der Zentralbücherei Meckelfeld und zwar am Montag von 10 bis 13 sowie von 15 bis 18 Uhr, am Dienstag von 15 bis 19 Uhr, am Mittwoch von 15 bis 18 Uhr, am Donnerstag von 10 bis 13 sowie von 15 bis 19 Uhr und am Freitag von 10 bis 18 Uhr. In den Schulferien können jene abweichen. Die Ausstellungsräume sind in den Räumen der Meckelfelder Bücherei unter der Adresse Am Schulteich 1 zu finden. Parkplätze sind direkt vor der Bücherei vorhanden. Darüber hinaus ist die Artothek gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Der Zugang zur Bibliothek ist barrierefrei.

Bildquelle: © Rosel Eckstein / Pixelio.de

Manierismus auf Leinwand noch bis Juni im Frankfurter Städel zu sehen

Der Manierismus war eine Kunstrichtung, die sich innerhalb der Spätrenaissance in Italien herausbildete. Es war eine Zeit des Aufruhrs, der Krankheiten und der Gewalt. Der „Schwarze Tod“ raffte 36.000 Menschen dahin, Florenz befand sich in der Belagerung, in Rom wurde geplündert. Und dennoch gab es Menschen, die sich der Kunst widmeten. Sie fertigten Gemälde und Skulpturen. Einige von ihnen sind nun im Städel-Museum in Frankfurt am Main zu sehen.

Von den Widrigkeiten dieser Ära ist in der Kunst nicht unbedingt etwas zu bemerken. Im Gegenteil: Der Manierismus gilt als übertrieben gekünstelt. Typisch sind Heiligenbilder und Porträts von Herrschern. Insgesamt 130 Kunstwerke zeigen Museumsdirektor Max Hollein und seine Mitarbeiter in der Ausstellung mit dem Titel “Maniera. Pontormo, Bronzino und das Florenz der Medici” dem interessierten Publikum noch bis zum 5. Juni. 120 davon stammen direkt aus Florenz. Das Städel ist das erste Museum, welches außerhalb Italiens eine derartig umfangreiche Präsentation zum Thema Manierismus in Europa auf die Beine gestellt hat.

Hollein zeigt sich von der Kunstrichtung besonders angetan. Er bezeichnet die Maler als Angehörige einer herausragenden Generation und bescheinigt ihnen einen modernen und kühnen Ideenreichtum, mit dem nach eigenwilligen und bisweilen auch radikalen Lösungen gestrebt wurde. Die Kunst ist für Hollein mit einer außergewöhnlichen Intensität behaftet, von der er sich wünscht, dass sie auch den Betrachter erfasst.

Jenen wird vor allem auffallen, dass mit einigen Tabus gebrochen wurde. Die Entstehungszeit der Gemälde auf Leinwand liegt zwischen 1512 bis 1568. Gott war allgegenwärtig und der Glaube an ihn nahm einen hohen Stellenwert im Leben der Menschen ein. Da wundert es nicht, dass die sich dem Manierismus zuwendenden Künstler als „die jungen Wilden von Florenz“ bezeichnet wurden. Schließlich ließen sie forsch aus dem Gewand der Gottesmutter eine Brustwarze hervorblitzen und das Jesuskind ähnelte mehr einer Karikatur anstatt wohlgenährt in den Armen seiner Mutter zu liegen. Die Grenzen zur Gotteslästerung dürften mit derartigen Darstellungen zur damaligen Zeit bei Weitem überschritten worden sein. Allerdings scheint dies in den Hintergrund zu rücken. Immerhin fiel in diese Phase eine ganze Reihe von historischen Ereignissen, die einschneidende Veränderungen brachten. Die von Deutschland ausgehende Reformation gestaltete das westliche Christentum komplett um, Spanien wurde zur Weltmacht und in Italien strebten die Medici nach der Herrschaft, während die Republiken der Vergangenheit angehörten.

Bei der Städel-Ausstellung steht nicht ein einzelner Künstler im Mittelpunkt, sondern derer viele. Es geht vordergründig darum, die Beziehungen untereinander näher zu beleuchten. Wer arbeitete zusammen, wer wollte überhaupt nichts miteinander zu tun haben und wer lernte von wem. Den meisten Vertretern des Manierismus blieb der große Durchbruch ohnehin verwehrt. Sie mussten sich bereits zu Lebzeiten gegen weltbekannte Künstler wie Leonardo da Vinci durchsetzen. Die Vertreter des Manierismus sind so etwas wie die stillen Helden der Kunst. Für Kurator Bastian Eclercy waren sie diejenigen, die dem Individualismus in der Kunst die Tür öffneten.

Die Ausstellung umfasst neben Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen weiterhin Baukunst. Die Architektur des Manierismus hat es im Gegensatz zu den anderen Kunststilen zu einem wesentlich höheren Bekanntheitsgrad gebracht. Im ersten Stock des Museums kann der Besucher einen fünf Meter hohen Nachbau bestaunen von einer Bibliotheksfassade bestaunen. Sie entwarf einst Michelangelo für die Medici.

Bildquelle: © S. Hofschlaeger / Pixelio.de

Bilder von Ernst Martin Kirchner auf Leinwand gibt es jetzt auch fürs Wohnzimmer

35451_web_R_K_by_Frank Vogelskamp_pixelio.de (2)Die Stadtbücherei Fehmarn beherbergt in ihrem Obergeschoss seit 20 Jahren eine Dokumentation über den Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner. Der gebürtige Aschaffenburger hatte zu der Insel eine ganz besondere Beziehung. Er verbrachte das Jahr 1908 und die Zeit von 1912 bis 1914 dort. Obgleich es sich lediglich um vier Jahre seines Lebens handelte, entstand auf Fehmarn ein Zehntel seines gesamten künstlerischen Lebenswerks.

Derzeit wird die Dokumentation in der Fehmarner Stadtbücherei erneuert. Dies nahm der ortsansässige Kirchner-Verein zum Anlass, um den Liebhabern des bedeutenden Expressionisten eine außergewöhnliche Gelegenheit zu bieten: Sie können die Reproduktion eines Werkes aus Kirchners Fehmarn-Zyklus im Klein- oder Großformat auf Leinwand erwerben und zwar gegen eine Spende für den Verein. Im Zuge der Neugestaltung der Dokumentation wird eine komplette Auswechslung der bislang an den Wänden zu sehenden Bildern vorgenommen. Eine ideale Chance für Kunstliebhaber, die nicht die erforderlichen finanziellen Mittel zum Erwerb eines Originals zur Verfügung haben!

Schon rund 1.500 Arbeitsstunden haben Christa Bänfer-Schellmann, Carmen Reinhardt und Dr. Joachim Schellmann in die Umgestaltung der Ausstellung investiert. Sie sind die drei Gründungsmitglieder des Vereins und können es nicht über das Herz bringen, die alten Bilder auf dem Dachboden einzumotten und dort dem Einstauben preiszugeben, wie Bänfer-Schellmann die nicht alltägliche Aktion begründet.

Die Künstler – neben Bildern von Kirchner gibt es auch Werke von weiteren Malern aus der Künstlergruppe „Brücke“ zu sehen – knüpften an die Realisierung des Wunsches nach einer Umgestaltung der Ausstellungsräume hohe Ansprüche. Sie widmeten sich zwar der Ölmalerei, die geprägt von tiefsatten Farben war, allerdings versahen sie die Leinwand mit einer matten Oberfläche, was für diesen Malstil eigentlich völlig untypisch ist. Die Druckereien, die die Leinwandreproduktionen herstellten, mussten etliche Probe abliefern, bis endlich alles passte. Damit die Bilder einheitlich und optimal zur Geltung kommen, werden sie in weiße Schattenfugen-Rahmen präsentiert.

Von den rund 120 Ölgemälden, die Kirchner in seiner Zeit auf Fehmarn erschaffen hat, möchte der Verein so viele wie möglich in der neuen Schau zeigen. Mit bislang 68 sind bereits mehr als die Hälfte der Werke vorhanden. Was nicht auf Leinwand an den Wänden zu sehen ist, kann zumindest als Poster in den eigens dafür erworbenen Ständern betrachtet werden. Zu den Gemälden gesellen sich diverse Skizzen und Zeichnungen des Künstlers.

Zum Verweilen lädt die gleichfalls neu gestaltete Leseecke die Ausstellungsbesucher ein. Wie sollte es anders sein: Auch hier dreht sich alles um das Leben und Schaffen von Ernst Ludwig Kirchner. Die Ecke wurde passend zum Erscheinungsbild der Ausstellungsräume mit weißen Möbeln eingerichtet und soll gleichzeitig ein Dankeschön für die Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei darstellen.

In den Vitrinen wurden die teilweise mit den Jahren ausgeblichenen Ausstellungsstücke durch neue ersetzt. Zu sehen sind nun seltene Postkarten des Künstlers, die einen Einblick in sein damaliges Lebensgefühl vermitteln. Der Verkauf von Postkarten mit Kirchner-Motiven bleibt über die Neugestaltung hinaus erhalten. Er ist weiterhin ein Bestandteil der Ausstellung.

Die Öffnungszeiten der neugestalteten Ernst-Ludwig-Kirchner-Dokumentation sind analog zu den Öffnungszeiten der Stadtbücherei. Diese hat von Montag bis Freitag von 9.30 bis 12 Uhr sowie von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet. Am Mittwoch ist der Besuch lediglich am Vormittag möglich. Interessenten an einer Kirchner-Reproduktion sollten sich direkt an den Verein wenden.

Bildquelle: © Frank Vogelskamp / Pixelio.de

Die schönsten Plätze Weilburgs sind nun auf Leinwand zu sehen

373667_web_R_K_by_Ulrich Velten_pixelio.de (2)Das hessische Weilburg ist ein anerkannter Luftkurort und hat als ehemalige Residenzstadt zahlreiche prunkvolle Bauten zu bieten. Darüber hinaus laden viele weitere schöne Plätze in der Stadt zum Verweilen ein. Genau diese hat der Maler Waldemar Kreis in den vergangenen Jahren auf Leinwand gebannt. Derzeit sind seine Ölgemälde im Löhnberger Mehrgenerationenhaus zu sehen und das noch bis Anfang Januar.

Der Ausstellungsort wurde nicht zufällig gewählt. Im Mehrgenerationenhaus haben alle Generationen die Möglichkeit, Zugang zur Kunst zu finden. So jedenfalls die Meinung von Bürgermeister Frank Schmidt (SPD) anlässlich der Ausstellungseröffnung bezüglich der Standortwahl. Täglich kommen hier alte und junge Menschen zusammen. Besonders Kinder zeigten sich der Kunst gegenüber offen und völlig vorurteilsfrei. Sie ließen sich gern von Bildern verzaubern und zu Fantasiereisen anregen.

Aber auch die Erwachsenen erfreuen sich an den Bildern des ortsansässigen Künstlers. Schließlich zeigen sie Orte, an denen jeder Weilburger schon einmal war: den Schlossgarten, die Oberlahnbrücke und das Landtor zum Beispiel. Alten und neuen Bauwerke hat Kreis seine Aufmerksamkeit geschenkt und sie zu unterschiedlichen Jahreszeiten gemalt. Wer etwa noch nie die vor rund 300 Jahren erbaute Schlosskirche in der Abenddämmerung gesehen hat, kann dieses Erlebnis bei der Betrachtung des entsprechenden Motivs von Kreis nachholen.

Schmidt war einer der ersten, der die Ausstellung besucht hat. Er freue sich schon auf die vielen Kommentare und bescheinigte dem Künstler eine große Professionalität. Der Chef des Rathauses lobte vor allem dessen Detailtreue und den enormen technischen Sachverstand, die die Werke von Kreis auszeichnen. Jener war 32 Jahre lang als Maler tätig und dachte gar nicht daran, in seinem wohlverdienten Ruhestand damit aufzuhören.

Der heute fast 80-Jährige ist Wolgadeutscher und musste sich einst der zwangsweisen Übersiedlung nach Sibirien fügen. Nach dem Abschluss der Schule wurde er Schlosser, arbeitete als Sportleiter in Krasnojarsk und dann als Theatermaler. Später war er mehr als zwei Jahrzehnte als Hauptmaler für ein in Minussinsk ansässiges Textilunternehmen tätig. Als sich ihm 1995 die Chance zur Umsiedlung nach Deutschland bot, nutzte er sie und schlug für zehn Jahre seine Zelte in Weyer auf. Anschließend zog er nach Ahausen, einem Ortsteil von Weilburg. Kreis liebt die Stadt und bringt das mit seinen Bildern deutlich zum Ausdruck. Insgesamt sind 28 davon im Mehrgenerationenhaus zu sehen.

Ein Besuch lohnt sich. Kreis versteht es meisterhaft, Stimmungen einzufangen und auf die Leinwand zu transportieren. Wer sich auf seine Bilder einlässt, wird mitgenommen auf eine Reise durch Weilburg und Löhnberg. Obwohl die Weilburger Motive in der Überzahl sind, hat der Künstler nicht vergessen, ebenfalls einige Sehenswürdigkeiten von Löhnberg in Szene zu setzen. Da wäre beispielsweise die Schleuse oder der Blick von Löhnberg aus über die Lahn hinüber nach Selters.

Weilburg sei nach wie vor ein Thema seiner Kunst, sagte Kreis. So ist es also durchaus möglich, dass er irgendwann noch einmal Bilder der Stadt ausstellt. Aktuell können sich Weilburger und Nicht- Weilburger erst einmal an der laufenden Präsentation erfreuen. Sie ist von Montag bis Freitag von 9.30 bis 15 Uhr und am Donnerstag bis 17 Uhr – analog zu den Öffnungszeiten des Mehrgenerationenhauses – geöffnet. Dieses befindet sich in Löhnberg, Am Berg 3a.

Bildquelle: © Ulrich Velten / Pixelio.de

Wie ein Gemälde auf Leinwand einer Familie das Leben rettete

501178_web_R_K_by_Thorben Wengert_pixelio.de (2)Im November 1938 lebte Paula Engelberg mit ihrem Mann Jakob in München. Hier wurden sie Zeugen, wie in der Nacht vom 9. zum 10. November jüdische Wohnhäuser, Geschäfte, Friedhöfe und Synagogen verwüstet wurden und zum Teil in Flammen aufgingen. Die Engelbergs waren ebenfalls jüdischer Herkunft und somit in ernsthafter Gefahr. Am darauffolgenden Tag geschah denn auch das Unfassbare: Die Gestapo nahm Jakob Engelberg in Gewahrsam und brachte ihn in das Konzentrationslager nach Dachau. Paula Engelberg blieb allein in der Wohnung zurück. Zwei Wochen lang wartete sie auf ihren Mann. Dann fasste sie einen Entschluss: Sie nahm das auf Leinwand gemalte Porträt einer Frau und verkaufte es. Noch am gleichen Tag konnte Paula von dem Geld für sich und ihre Kinder Visa für die Schweiz beschaffen. Und sie schaffte es, mit den Papieren ihren Mann freizubekommen. Die Familie verließ Deutschland, das Land, das eigentlich ihre Heimat war. Über die Schweiz gelangte sie in die USA, wo sie ein neues Zuhause fand.

Im US-Staat Oregon, genauer gesagt in Portland, hat der Sohn von Paula und Jakob Engelberg, Edward Engelberg, seinen Wohnsitz. An der Wand im Wohnzimmer hängt das Bild einer Frau, die ein Buch in der Hand hält. Doch es ist nicht irgendein Bild, es ist ein Zwillingsbild des Gemäldes, das vor inzwischen fast 80 Jahren von Paula Engelberg verkauft wurde, um die Familie vor dem sicheren Tod in Deutschland zu retten. Vier Generationen, bestehend aus über 30 Menschen, haben dem Original-Bild ihr Leben zu verdanken. Das aber ist bis zum heutigen Tag verschollen.

Edward Engelberg ist sich sicher, dass das Bild existieren muss. Nicht zuletzt die Aufzeichnungen seiner verstorbenen Schwester Melly lassen keinen Zweifel daran. Seit dem 21. Mai 2015 hilft das Rechercheteam „Follow the Money“ bei der Suche nach dem Werk. Diese findet öffentlich statt. Journalisten werden dafür an relevante Orte der Vergangenheit reisen, sie werden Archive nach Hinweisen durchstöbern und auch die sozialen Netzwerke werden eingebunden. Ein ganzes Land wird auf der Suche nach einem Bild sein, das einer Familie vor mehr als sieben Jahrzehnten das Leben rettete.

Medienpartner des Projekts sind die Süddeutsche Zeitung, Deutschlandradio Kultur sowie die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ORF, SRF und BR. Geplant ist, am 9. November 2015 eine Dokumentation über die Suche und deren Ergebnisse auszustrahlen. Produktionsfirma der Reportage „#kunstjagd“ ist die Gebrüder Beetz Filmproduktion. Wer nicht solange warten möchte, kann über Facebook, Twitter und Instagram rund um die Uhr die Recherchen mitverfolgen. Natürlich werden sich auch Tipps zum Verbleib des Bildes erhofft.

Bleibt nur die Frage, warum sich plötzlich ein Rechercheteam um ein Thema bemüht, das seit über 70 Jahren sozusagen tabu ist? Mit der öffentlichen Suche nach dem Bild will es aufmerksam machen auf das Schicksal von Millionen von Kunst- und Wertgegenständen, die einst von den Nazis geraubt oder unter Zwang den jüdischen Eigentümern regelrecht abgepresst wurden. Nur ein geringer Bruchteil von ihnen hat bisher den Weg zu den rechtmäßigen Besitzern zurückgefunden. Diesen geht es nicht um den finanziellen Wert der Gegenstände. Oftmals sind es letzte Erinnerungsstücke an einzelne Menschen oder gar ganze Familien, die unter Hitlers Herrschaft einfach ausgelöscht wurden.

Bildquelle: © Thorben Wengert / Pixelio.de

Kunst auf Leinwand von Emil Schumacher in Dießen

680286_web_R_K_B_by_Denise_pixelio.de (2)Der französische Kunstkritiker Michel Tapié gilt als Namensgeber für die sogenannte „art informel“. Sie ist die Antwort des frühen Europas auf den aus Amerika stammenden abstrakten Expressionismus. Tapié verwendete diesen Begriff erstmalig im November 1951. Dabei ging es um eine Ausstellung im Studio Facchetti in Paris. Diese formlose oder anders gesagt ungegenständliche Art der Malerei etablierte sich ab dem Jahr 1952 in der noch jungen Bundesrepublik. Sie wusste sich abzuheben von den vorangegangenen surrealistischen und kubistischen Bewegungen und verzichtete bewusst auf geometrische und konstruktive Elemente. Emil Schumacher gilt als einer der namhaftesten Vertreter der sogenannten deutschen Informel. Derzeit präsentiert das Fritz–Winter–Atelier in Dießen am Ammersee eine Auswahl an Papierarbeiten und Gemälden aus seinem Spätwerk.

Emil Schumacher selbst wurde am 29. August 1912 im westfälischen Hagen geboren. Er absolvierte seine Ausbildung als Werbegrafiker in Dortmund an der Werkkunstschule. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er, wie viele andere aus seiner Generation, auf einen künstlerischen Neustart. Im Jahr 1948 entstand in Recklinghausen die Gruppe „junger westen“. Schumacher war ein Mitbegründer dieser. Im Fokus der Aktivitäten stand, den im Nationalsozialismus verlorengegangenen Anschluss an die Kunst der Moderne wieder herzustellen.

Zur Abstraktion fand der Künstler Anfang der 1950er Jahre. Er war nicht nur in Deutschland erfolgt, sondern bald auch international. An der Documenta II in Kassel nahm er 1959 als Vertreter deutscher Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg teil. Hagen, seine Heimatstadt, errichtete ihm zu Ehren im Jahr 2009 sogar ein Museum.

Schumacher hinterließ eine große Zahl verschiedenartiger Kunst. Seine Werke fanden ihren Platz auf Leinwand ebenso wie auf Holz. Diese großformatigen Bilder stellen den Mittelpunkt des vielfältigen Gesamtwerkes von Emil Schumacher dar. Er erstellte aber auch teils ungewöhnlich große Papierarbeiten und eine Vielzahl von Gouachen. Des Weiteren gehört ein umfangreiches grafisches Werk zu seinem Erbe. Dazu zählen ebenfalls Malereien auf Blei, Aluminium, Schiefertafeln und Porzellan. Schumacher experimentierte gern mit den unterschiedlichsten Materialien und genau das zeichnete ihn als Künstler aus. Farbe trug er oft übermäßig dick auf. Zudem arbeitete er mit Materialien wie Sand und Asche. Das gab seinem Bildgrund häufig einen reliefartigen Charakter.

Die Zusammenstellung der Schumacher Werke ist auf jeden Fall sehenswert. Auch – oder vielleicht gerade? – weil die Ausstellung in Dießen keine Entwicklungen, sondern die späten, reifen Arbeiten des Künstlers zeigt. Die Werke stammen hauptsächlich aus den letzten beiden Jahrzehnten seines Lebens. Zu sehen sind vorrangig Gemälde in erdigen, dunklen, ja fast düsteren Farbtönen. Emil Schumacher nannte sein Werk „Formlos und doch Form“. Es lässt sich sowohl auf Leinwand als auch auf Papier einiges figürliches entdecken. Auch Bildtitel wie „Eulenspiegel“ erlauben dem Besucher, eine Brücke zu bekanntem zu schlagen.

Das Fritz–Winter–Atelier ist im oberbayrischen Dießen am Forstanger 15 a zu finden. Noch bis zum 14. Juni 2015 hat die Ausstellung mit den Werken von Emil Schumacher geöffnet. An Donnerstagen und Samstagen in der Zeit von 14 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 und 18 Uhr sowie nach Vereinbarung. Unter der Telefonnummer 08807/4559 können Termine zum Besuch der Ausstellung außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten ausgemacht werden.

Bildquelle: © Denise / Pixelio.de

Die Kunsthalle in Mannheim zeigt die zwei Seiten einer Leinwand

587530_web_R_K_by_Dieter Schütz_pixelio.de (2)Obwohl es in der Kunst nicht unbedingt ungewöhnlich ist, ist es für den Betrachter doch immer wieder etwas Außergewöhnliches: eine Leinwand, die auf beiden Seiten ein Gemälde trägt. Ernst Ludwig Kirchner war einer der Künstler, die ihre Leinwände gern beidseitig benutzten. Die Kunsthalle Mannheim widmet diesem unter dem Titel „Doppelter Kirchner“ derzeit eine Ausstellung. Sie ist eine Kooperation des Kirchner Archivs in Wichtrach nahe Bern mit dem Kirchner Museum in Davos.

Immerhin sind bis heute ganze 138 Werke – alle doppelseitig bemalt – von Ernst Ludwig Kirchner bekannt. Der Expressionist teilte sich seine „Leidenschaft“ beispielsweise mit einigen Mitgliedern der Künstlervereinigung „Die Brücke“. Unter den „Leinwandwendern“ findet man bekannte Künstler wie Pechstein, Heckel und Karl Schmitt – Rottluff.

Warum Kirchner seine Leinwände auf beiden Seiten verwendete, hatte einen einfachen und heute durchaus ebenfalls gut nachvollziehbaren Grund. Es wurde ein Brief gefunden. In dem erklärte der Künstler, dass auch er sparen müsse. Das Material sei „sehr kostspielig geworden“, Gott sei Dank habe die Leinwand aber zwei Seiten. Dieser Satz mutet etwas ironisch an. Schließlich war Kirchner einer der Künstler, die bereits zu Lebzeiten für ihre Bilder hohe Preise erzielten. Er konnte also gut von der Malerei leben und dennoch zwangen ihn die Materialkosten zur Sparsamkeit.

Kirchner gilt als der passionierteste Künstler unter den Leinwandwendern. Viele Sammler und Museen, die ein Gemälde von Kirchner erwarben, konnten später hocherfreut feststellen, dass das zweite Bild auf der Rückseite im Preis inbegriffen war, sie also sozusagen zwei Bilder zum Preis von einem erworben hatten.

Den Ausschlag für die aktuelle Ausstellung gab die im Jahre 1910 fertiggestellte Restaurierung seines Werkes „Gelbes Engelufer, Berlin“. Auf dessen Rückseite wurde nämlich das vergessene Bild „Marokkaner“ wiederentdeckt, das auf ein paar Jahre früher datiert ist. In der Kunsthalle Mannheim kann man seit April 2014 beide Seiten dieses Werkes sehen. Ähnlich verhielt es sich beim „Akt im Atelier“, der gleichfalls aus dem Jahre 1910 stammt. Er befindet sich im Besitz des Städel Museums in Frankfurt. Auf dessen Rückseite verewigte Kirchner seine „Waldlandschaft“.

Die Ausstellung findet in fünf Räumen der Kunsthalle statt. Ansprechend präsentiert können Kunstinteressierte hier siebzehn Gemälde, genauer gesagt 34 Bilder, bewundern. Kirchner gilt als einer der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung zeigt solch großartige Werke wie „Gebirgslandschaft“ und „Liegende Frau in weißem Hemd“ von ihm. Die Gemälde werden in speziell gefertigten Rahmenkonstruktionen präsentiert. Dadurch hat der Besucher die Möglichkeit, die Werke problemlos von beiden Seiten zu betrachten. Bei einigen Bildern stimmen Vorder- und Rückseite im Format nicht überein. Sie werden in regelmäßigen Abständen automatisch herumgedreht. Die Kunsthalle möchte mit dieser speziellen Darstellung der Bilder auf die Problematik von beidseitig bemalten Werken hinweisen und eine sowohl kuratorische als auch wissenschaftliche Diskussion zu diesem Thema anstoßen.

Die Ausstellung verzichtet bewusst auf Wertungen. Darf man die eine Seite der anderen vorziehen und sie künstlerisch höher bewerten? Wem steht eine Bewertung der Bilder überhaupt zu? Der 1938 verstorbene Künstler kann die Wertigkeit nicht mehr vorgeben. Zahlreiche Bilder hat er überarbeitet und deklarierte bei zweiseitigen Gemälden als Hauptseite zumeist das später gemalte Werk. Ein eigenes Urteil können sich Interessierte in der Moltkestraße 9 noch bis zum 8. November 2015 bilden.

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