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Gurlitt-Untersuchung abgeschlossen: Herkunft bei elf Bildern auf Leinwand geklärt

501163_web_R_K_by_Thorben Wengert_pixelio.de (2)Der Fall Cornelius Gurlitt war von Anfang an verwirrend. Nicht nur, dass den zuständigen Stellen Versäumnisse vorgeworfen wurden, auch die mit der Herkunftsforschung beauftragten Experten tappten lange im Dunkeln. Nach zwei Jahren intensiver Forschung legten sie nun ihren Abschlussbericht vor. Dieser offenbart, dass unter der mehr als 1.500 Kunstwerken umfassenden Sammlung nur bei den wenigsten Bildern unzweifelhaft davon ausgegangen werden kann, dass sie einst von den Nazis unrechtmäßig in deren Besitz gebracht wurden.

Cornelius Gurlitt war der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, der der bedeutendste Kunsthändler zu Zeiten des NS-Regimes war. Hildebrand Gurlitt war einer von vier Kunsthändlern, die von den Nazis als Händler für „Entartete Kunst“ bestimmt wurden. Sie allein waren dazu berechtigt, mit den vordergründig von Juden beschlagnahmten Gemälden und andere Kunstgegenständen Handel zu treiben. Gurlitts Haupttätigkeitsgebiet war Frankreich. Im Jahre 1943 wurde Hildebrand Gurlitt vom Kunsthistoriker Hermann Voss zu einem der Haupteinkäufer für das „Führermuseum“ in Linz ernannt. Nach dem Krieg stritt Gurlitt jegliche Beteiligung daran ab und blieb weiterhin ein geschätzter Kunstexperte.

Auch privat widmete sich Hildebrand Gurlitt dem Sammeln von Kunst. Die klassische Moderne hatte es ihm angetan und als er 1956 an den Folgen eines Autounfalls verstarb, wurde sein Sohn Cornelius Gurlitt als Erbe seiner umfassenden Kunstsammlung eingesetzt. Um welche Art von Kunst es sich handelte, war bis 2012 nahezu unbekannt. Cornelius Gurlitt fiel erst auf, als er 2010 bei einer Zugfahrt von Zürich nach München von Zollbeamten mit einer ungewöhnlich großen Menge Bargeld aufgegriffen wurde. Bis zur Durchsuchung seiner Wohnung dauerte es allerdings noch bis Februar 2012, wo die Fahnder dann die unglaubliche Entdeckung eines Teils des „Schwabinger Kunstfundes“ machten. Später wurden weitere Werke in seiner Salzburger Wohnung sichergestellt. Cornelius Gurlitt starb im Mai 2014, seine Kunstsammlung hielt die Welt aber weiter in Atem.

Mitte Januar 2016 wurde nun endlich der Abschlussbericht veröffentlicht. Die Arbeit der Expertenkommission ist damit beendet, das Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg wird jedoch die Ermittlungen nach der Herkunft der Bilder fortsetzen. Von den rund 1.500 Werken standen 500 in Verdacht, dass es sich bei ihnen um NS-Raubkunst handelt. In fünf Fällen ließ sich beweisen, dass dieser Tatbestand erfüllt ist. Bei sechs Gemälden auf Leinwand konnte die Herkunft tatsächlich geklärt werden. Vier Bilder vom aus Thüringen stammenden Maler Otto Dix wurden in der Sammlung vermutet, konnten aber nicht gefunden werden. Nach wie vor fehlt von ihnen jede Spur. Ein Gemälde vom Franzosen Marc Chagall stellte sich bei näheren Untersuchungen als Fälschung heraus.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte anlässlich der Veröffentlichung des Abschlussberichts am 14. Januar, dass es dennoch weiterhin das Ziel sei, die Herkunft jedes einzelnen Kunstwerkes herauszufinden. Für das nächste Jahr wird das Zentrum Kulturgutverluste mit der Provenienzenforschung beauftragt. Diesbezüglich wurde bereits ein auf ein Jahr befristeter Vertrag geschlossen.

Die bisher damit betraute Kommission sieht die größten Probleme in den oftmals während der Kriegszeit verlorengegangenen Dokumenten. Ohne diese sei es schwer, die Herkunft und auch den rechtmäßigen Besitzer zu ermitteln. Zudem seien Privatarchive selten an einer Zusammenarbeit interessiert und geben kaum Auskunft zu bei ihnen eventuell vorhandenen Informationen.

Die Bundestagsabgeordnete Sigrid Hupach (Linke) hegt Zweifel daran, ob die zur Verfügung stehenden Gelder überhaupt für die in Zukunft geplanten Ermittlungen ausreichend sind. Immerhin sei es mit den bisher verwendeten 1,8 Millionen Euro gerade einmal gelungen, elf Bilder eindeutig als NS-Raubkunst zu identifizieren.

Bildquelle: © Thorben Wengert / Pixelio.de

Wie ein Gemälde auf Leinwand einer Familie das Leben rettete

501178_web_R_K_by_Thorben Wengert_pixelio.de (2)Im November 1938 lebte Paula Engelberg mit ihrem Mann Jakob in München. Hier wurden sie Zeugen, wie in der Nacht vom 9. zum 10. November jüdische Wohnhäuser, Geschäfte, Friedhöfe und Synagogen verwüstet wurden und zum Teil in Flammen aufgingen. Die Engelbergs waren ebenfalls jüdischer Herkunft und somit in ernsthafter Gefahr. Am darauffolgenden Tag geschah denn auch das Unfassbare: Die Gestapo nahm Jakob Engelberg in Gewahrsam und brachte ihn in das Konzentrationslager nach Dachau. Paula Engelberg blieb allein in der Wohnung zurück. Zwei Wochen lang wartete sie auf ihren Mann. Dann fasste sie einen Entschluss: Sie nahm das auf Leinwand gemalte Porträt einer Frau und verkaufte es. Noch am gleichen Tag konnte Paula von dem Geld für sich und ihre Kinder Visa für die Schweiz beschaffen. Und sie schaffte es, mit den Papieren ihren Mann freizubekommen. Die Familie verließ Deutschland, das Land, das eigentlich ihre Heimat war. Über die Schweiz gelangte sie in die USA, wo sie ein neues Zuhause fand.

Im US-Staat Oregon, genauer gesagt in Portland, hat der Sohn von Paula und Jakob Engelberg, Edward Engelberg, seinen Wohnsitz. An der Wand im Wohnzimmer hängt das Bild einer Frau, die ein Buch in der Hand hält. Doch es ist nicht irgendein Bild, es ist ein Zwillingsbild des Gemäldes, das vor inzwischen fast 80 Jahren von Paula Engelberg verkauft wurde, um die Familie vor dem sicheren Tod in Deutschland zu retten. Vier Generationen, bestehend aus über 30 Menschen, haben dem Original-Bild ihr Leben zu verdanken. Das aber ist bis zum heutigen Tag verschollen.

Edward Engelberg ist sich sicher, dass das Bild existieren muss. Nicht zuletzt die Aufzeichnungen seiner verstorbenen Schwester Melly lassen keinen Zweifel daran. Seit dem 21. Mai 2015 hilft das Rechercheteam „Follow the Money“ bei der Suche nach dem Werk. Diese findet öffentlich statt. Journalisten werden dafür an relevante Orte der Vergangenheit reisen, sie werden Archive nach Hinweisen durchstöbern und auch die sozialen Netzwerke werden eingebunden. Ein ganzes Land wird auf der Suche nach einem Bild sein, das einer Familie vor mehr als sieben Jahrzehnten das Leben rettete.

Medienpartner des Projekts sind die Süddeutsche Zeitung, Deutschlandradio Kultur sowie die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ORF, SRF und BR. Geplant ist, am 9. November 2015 eine Dokumentation über die Suche und deren Ergebnisse auszustrahlen. Produktionsfirma der Reportage „#kunstjagd“ ist die Gebrüder Beetz Filmproduktion. Wer nicht solange warten möchte, kann über Facebook, Twitter und Instagram rund um die Uhr die Recherchen mitverfolgen. Natürlich werden sich auch Tipps zum Verbleib des Bildes erhofft.

Bleibt nur die Frage, warum sich plötzlich ein Rechercheteam um ein Thema bemüht, das seit über 70 Jahren sozusagen tabu ist? Mit der öffentlichen Suche nach dem Bild will es aufmerksam machen auf das Schicksal von Millionen von Kunst- und Wertgegenständen, die einst von den Nazis geraubt oder unter Zwang den jüdischen Eigentümern regelrecht abgepresst wurden. Nur ein geringer Bruchteil von ihnen hat bisher den Weg zu den rechtmäßigen Besitzern zurückgefunden. Diesen geht es nicht um den finanziellen Wert der Gegenstände. Oftmals sind es letzte Erinnerungsstücke an einzelne Menschen oder gar ganze Familien, die unter Hitlers Herrschaft einfach ausgelöscht wurden.

Bildquelle: © Thorben Wengert / Pixelio.de

NS-Raubkunst gibt es nicht nur auf Leinwand

253502_web_R_K_B_by_Mathias Brenning_pixelio.de (2)Seit 2013 gibt es in Weimar die Klassik-Stiftung. Das passt gut, schließlich ist die Stadt für ihr kulturelles Erbe weltbekannt. Bei der Klassik-Stiftung geht es aber nicht ausschließlich um Schiller und Goethe, Theaterstücke oder Ausstellungen in Museen, sie beschäftigt sich weiterhin mit NS-Raubkunst. Der berühmte Dichterfürst und dessen Kollegen spielen hier gleichfalls eine Rolle. NS-Raubkunst gibt es nämlich längst nicht nur auf Leinwand in Gestalt von milliardenschweren Gemälden berühmter Künstler, sie umfasst ebenfalls Bücher und andere Kulturgüter. Diese müssen nicht zwangsläufig einen hohen ideellen Wert haben. Manchmal steht einfach nur die Erinnerung an ihre dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallenen Familienangehörigen für die Erben im Vordergrund.

So ist es beispielsweise bei der Zitatensammlung „Mit Schiller durch das Jahr“ von Carl Retsiem, die 1908 im Concordia-Verlag erschienen war. Das Buch hatte einst die Thüringische Landesbibliothek von einem Antiquariat erworben. Was damals keiner wusste, woher das Buch ursprünglich kam. Es stammte aus dem Besitz des jüdischen Apothekers Leopold Scheyer. Dieser war 1939 in die Niederlande geflohen, um der Deportation zu entkommen. Seine Frau Nanny blieb zurück und wurde in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt, wo sie umkam. Ihr Mann indes nahm sich 1943 das Leben.

Die Zitatensammlung der Familie landete in der heutigen Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. Einen großartigen Wert hat es nicht. Es wurde mehrfach gedruckt und ist zudem für Forscher uninteressant. Dennoch fand sich nach vielen Jahrzehnten jemand, dem das Buch sehr viel bedeutet. Es war eine Enkelin von Leopold Scheyer, die in Großbritannien beheimatet ist. Das fand der Historiker Peter Prölß heraus, der als Raubkunstforscher für die Klassik-Stiftung tätig ist. Er führt Nachforschungen zu den „Verdachtsfällen NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter“ durch und stieß dabei auf die rechtmäßige Erbin, die inzwischen diese besondere Erinnerung an ihren Großvater zurückerhalten hat.

Prölß ist eine von insgesamt acht Personen, die sich seit dem Oktober 2013 mit derartigen Fällen systematisch befassen. Beteiligt an dem Projekt sind vier Forscher, drei Historiker und eine Juristin. Gefördert wird das bis in den nächsten Herbst laufende Vorhaben zur Hälfte von der in Berlin ansässigen Arbeitsstelle für Provenienzrecherche. Die Beteiligten hoffen natürlich auf eine Verlängerung, neu ist ihnen das Fachgebiet der NS-Raubkunst aber nicht. Schon länger beschäftigt sich die Stiftung mit der Herkunftsforschung von verschiedenen Kunstgegenständen. Allerdings geschah das bis zur Einrichtung des Projekts nur punktuell. Die systematische Recherche ist erst seit 2009 möglich.

Ab 2010 gab es ein erstes Förderprojekt. Historiker Rüdiger Haufe sorgte damals für einen genaueren Überblick über die Materie. Mit Hilfe von Rechnungen, Korrespondenzen, Zugangsbüchern und Inventarlisten fand er heraus, dass bei rund 20 Prozent dessen, was der Stiftung aus den Jahren von 1933 bis 1945 zugegangen war, der Verdacht auf NS-Raubkunst bestand. Bei der altehrwürdigen Anna-Amalia-Bibliothek ist der Anteil gar noch höher: Von den im vorgenannten Zeitraum getätigten 35.000 Buchankäufen besteht bei 10.000 Vorgängen Raubkunstverdacht. Derzeit werden die Käufe bis 1939 von den Stiftungsmitarbeitern untersucht. Dementsprechend wird es auch in der Zukunft noch genug zu tun geben.

Ein weiterer wichtiger Schritt wurde mit der Gründung des Internationalen Arbeitskreises Provenienzforschung getan, der am 23. und 24. April mit 100 Teilnehmern in Weimar tagte.

Bildquelle: © Mathias Brenning / Pixelio.de

NS-Raubkunst auf Leinwand: Neues Zentrum in Magdeburg hat Arbeit aufgenommen

684383_web_R_K_B_by_Angela Parszyk_pixelio.deDer Zweite Weltkrieg ist seit nahezu 70 Jahren vorbei und trotzdem verfolgen uns die Machenschaften der Nationalsozialisten noch immer. Gerade in der Kunst war in den letzten Jahren des Öfteren der Begriff NS-Raubkunst zu hören. Das ist dem im Mai 2014 verstorbenen Kunsthändler Cornelius Gurlitt zu verdanken. Er war Besitzer des legendären „Schwabinger Kunstfunds“, der der Debatte über die Behandlung von NS-Raubkunst auf Leinwand regelmäßig neuen Zündstoff gab.

Zwar ist das Erbe Gurlitts mittlerweile geklärt, doch weiß man bis heute nicht, welche Kunstwerke sein rechtmäßiges Eigentum waren. Und die bei Gurlitt gefundenen Gemälde waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Tausende von Kunstwerken sind im Umlauf, bei denen nicht eindeutig geklärt ist, ob es sich um NS-Raubkunst handelt. Um die Herkunftsforschung voranzutreiben, wurde in Magdeburg das Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste gegründet. Anfang des Jahres nahm es seine Arbeit auf.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erhofft sich von der neuen Einrichtung eine Beschleunigung der Suche nach NS-Raubkunst. Zugleich wendet sie sich an die Museen und fordert von diesen, nachdrücklicher auf eine gezielte Recherche zu bestehen. Jene argumentierten bisher mit fehlenden finanziellen Mitteln. Diese Ausrede will Grütters aber nicht mehr gelten lassen. Schließlich wurden vom Bund die Mittel für die Provenienzforschung im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um zwei Millionen Euro erhöht. Insgesamt stehen damit sechs Millionen Euro für die Klärung der Herkunft von Kunstwerken zur Verfügung.

In dem neuen Zentrum sind bisher 20 Mitarbeiter beschäftigt. Ihre vordergründige Aufgabe ist die Suche nach NS-Raubkunst. Aber auch die Beratung privater Sammler und öffentlicher Einrichtungen fällt in ihren Zuständigkeitsbereich. Hier ist die Rückgabe von Kulturgütern das vorherrschende Thema.

Bereits bestehende Einrichtungen mit dem gleichen Tätigkeitsschwerpunkt sollen künftig unter dem Dach des Zentrums zusammengefasst werden. Es soll ein zentraler Ansprechpartner für dieses komplexe Thema“ geschaffen werden, so Grütters. Auch könne so der Informationsfluss transparent gestaltet werden. Das Zentrum werde weiterhin mit den Kulturverlusten in der DDR und in der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone betraut.

Die ebenfalls in Magdeburg ansässige Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste, die gleichzeitig Betreiber der Datenbank lostart.de ist, die Forschungsstelle für “Entartete Kunst” der Freien Universität Berlin, die Beratende Kommission für Streitfälle (Limbach-Kommission) und die Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin sollen ferner mit dem Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste vereint werden. Gleiches gilt für die Taskforce, die sich mit den Kunstfunden von Cornelius Gurlitt befasst. Bei ungefähr der Hälfte, der mehr als 1.200 Bilder besteht, der Verdacht, dass es sich um NS-Raubkunst handelt.

Das von Gurlitt als Erbe eingesetzte Kunstmuseum Bern hat die Erbschaft inzwischen angenommen. Noch in diesem Jahr will es einige Werke aus dem Nachlass des Sammlers zeigen. Ob es aber soweit kommt, bleibt abzuwarten. Mittlerweile ist eine Cousine des Sammlers aufgetaucht, die das Testament anfechten will. Eine öffentliche Stellungnahme zu dem neuen Sachverhalt wurde erst für März angekündigt.

Der größte Teil der Sammlung befindet sich derzeit noch immer in Deutschland an einem geheimen Ort. Drei Werke wurden von der Taskforce nach über einjähriger Nachforschung als NS-Raubkunst identifiziert. Die drei Bilder sollen zeitnah an die Erben der rechtmäßigen Eigentümer herausgegeben werden. Was mit dem Rest der Sammlung passiert, ist weiterhin unklar.

Bildquelle: © Angela Parszyk / Pixelio.de

Ein Jahr nach Gurlitt – was hat sich bei der NS-Raubkunst auf Leinwand getan?

666461_web_R_K_B_by_Wolfgang Pfensig_pixelio.deCornelius Gurlitt war nie ein Nazi. Davon ist der Anwalt des am 6. Mai 2014 in München verstorbenen Kunsthändlersohns überzeugt. Cornelius hatte einst die wertvolle Kunstsammlung seines Vaters Hildebrandt Gurlitt geerbt. Bei einem Großteil dieser Sammlung aber handelte es sich vermutlich um NS-Raubkunst auf Leinwand. Der Fund der mehr als 1.500 Kunstwerke ging als „Schwabinger Kunstfund“ in die Geschichte ein und er veränderte einiges, was den Umgang mit NS-Raubkunst betrifft. So wird in Magdeburg ein Zentrum eingerichtet, wo die Fäden bei der Suche nach der Herkunft betroffener Kunstgegenstände zusammenlaufen. Die Zustimmung dafür gab Anfang Oktober die Kultusministerkonferenz (KMK). Das Zentrum wird den Namen „Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste“ tragen. Noch in diesem Jahr soll es errichtet werden. Die Kosten dafür tragen Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände. Die Stiftung wird als zentraler nationaler und internationaler Ansprechpartner in Sachen NS-Raubkunst fungieren. Weiterhin sollen Angebote für private Sammler und Museen erarbeitet werden, so wie es die Washingtoner Prinzipien empfehlen.

Seit fast 70 Jahren ist die Herrschaft der Nazis vorbei und noch immer sind deutsche Museen Lagerplatz für entartete Kunst, wie die NS-Raubkunst auch bezeichnet wird. Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bezeichnet diesen Zustand als unerträglich. Sie empfindet die Gründung des „Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste“ als wichtigen Meilenstein im Rahmen der Aufarbeitung des Kunstraubs durch die Nationalsozialisten. Bereits im Jahre 1998 hatten sich insgesamt 44 Länder auf die Einhaltung gewisser Regeln im Umgang mit NS-Raubkunst verständigt. Jetzt sollen auch Privatpersonen einbezogen und ermutigt werden, ihre Kunstbestände mit Hilfe der Stiftung aufarbeiten zu lassen. Dass es hier bisher an Unterstützung mangelte, zeigt der Fall Gurlitt überdeutlich. Es gehe nicht zwangsläufig um einen materiellen Ausgleich. Vielmehr steht die Anerkennung des Unrechts, welches die Opfer erlitten haben, im Vordergrund. Dies ist zumindest die Meinung von Grütter. Das neue Zentrum wird einerseits die bisherige Koordinierungsstelle Lost Art in Magdeburg in sich aufnehmen, andererseits wird ebenfalls die in Berlin befindliche Arbeitsstelle für Provenienzforschung dorthin verlegt.

Der Fall Gurlitt ist indes immer noch nicht abgeschlossen. Das von Gurlitt als Alleinerbe eingesetzte Kunstmuseum Bern hat bisher keine Entscheidung über die Annahme des Erbes getroffen. Eine solche wurde für den 26. November in Aussicht gestellt. Bis dahin ruhen alle weiteren Aktivitäten in diesem Fall. Kurz vor Gurlitts Tod stand die Einigung mit den Erben bezüglich der Kunstwerke „Sitzende Frau“ von Henri Matisse und den „Reitern am Strand“ von Max Lieberman unmittelbar bevor. Mit dem Ableben des Kunstsammlers aber geriet die Sache wiederum zum Stillstand. Die Anspruchsteller warten bis heute auf die Bilder. Sollte das Museum die Erbschaft ausschlagen, würde die Rückgabe noch einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Kunstmuseum spricht diesbezüglich von konstruktiv verlaufenden Gesprächen, die aber noch nicht abgeschlossen seien.

Allein über die Zahl, bei wie vielen Bildern aus der Sammlung es sich tatsächlich um NS-Raubkunst handelt, herrschen weit auseinandergehende Ansichten. Die eigens gebildete Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ spricht von mehreren hundert Werken. Gurlitts Anwalt dagegen sagt lediglich acht Gemälden eine „möglicherweise dunkle Vergangenheit“ nach. Somit wird uns der Fall Gurlitt wohl doch noch eine ganze Weile beschäftigen und es bleibt abzuwarten, ob die Herkunft der Bilder wirklich aufgeklärt werden kann.

Bildquelle: © Wolfgang Pfensig / Pixelio.de

Gurlitt-Kunstwerk auf Leinwand erhalten Erben eines NS-Kasernenwarts

594525_web_R_K_B_by_www.hamburg-fotos-bilder.de_pixelio.deMehrere hundert Menschen haben sich nach dem Tode von Cornelius Gurlitt als mögliche Erben für Gemälde aus seiner mehr als 1.500 Kunstwerke umfassenden Sammlung gemeldet. Nun wurde eins der Werke den Erben seines rechtmäßigen Besitzers zurückgegeben. Es handelt sich um das Bild mit dem Titel „Die Bergpredigt“, welches der flämische Barockmaler Frans Francken der Jüngere um 1620 erschuf. Prekär daran: Das Gemälde fällt unter die aus NS-Raubkunst stammenden Sammlungsstücke und wurde im Mai vom Amtsgericht München offenbar den Erben eines NS-Kasernenwarts zugesprochen.

Unstrittig ist, dass „Die Bergpredigt“ im Jahre 1943 von Hildebrand Gurlitt an Adolf Hitler verkauft wurde. Dieser erwarb es damals für sein geplantes „Führermuseum“. Die vorherige Eigentümerin war vermutlich eine Jüdin, die deportiert wurde und die offensichtlich keine Erben mehr hat. Nach einem Diebstahl von über 600 Gemälden im April 1945 aus dem „Führerbau“ am Königsplatz in München galt auch „Die Bergpredigt“ als verschollen. Das Gericht sprach das Bild einer Münchner Familie zu, in dessen Besitz es sich seit Generationen befand. Ein Großonkel der Familie war während der NS-Zeit in München als Kasernenwart tätig. Zudem wohnte er in der Nachbarschaft. Nach dem Krieg hatten er und seine Frau das Gemälde in ihrer Obhut. Hildebrand Gurlitt selbst kaufte das Bild 1943 bei dem Händler, von dem er einen Großteil der umstrittenen Werke hatte. Später ging es in das Eigentum seines Sohnes Cornelius Gurlitt über, wo es 2012 anlässlich einer Wohnungsdurchsuchung aufgefunden und sichergestellt wurde.

Von der Kunstsammlung Gurlitts gelten knapp 600 Werke als NS-Raubkunst. Seit geraumer Zeit bemüht sich die eigens gegründete Taskforce um die Ermittlung der Herkunft. Nach dem Ableben des Kunstsammlers Anfang Mai dieses Jahres erhoben bis Ende Juni rund 300 Menschen Anspruch auf Gemälde aus dessen Sammlung. Für die Prüfung der Ansprüche will sich das Expertenteam um Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel ein Jahr Zeit nehmen. In seinem Testament bestimmte Cornelius Gurlitt das Kunstmuseum Bern als Alleinerben seiner Sammlung. Am 10. Juni wurde das Testament veröffentlicht. Das Kunstmuseum hat ab diesem Zeitpunkt eine Frist von sechs Monaten für die Ausschlagung oder den Antritt des Erbes. Erst einmal zog das Museum für die Entscheidung einen Rechtsbeistand hinzu. Sollte das Erbe abgelehnt werden, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Dann würde die Kunstsammlung möglichen Verwandten von Gurlitt zustehen. Diesbezüglich hat das Amtsgericht bereits die Kontaktaufnahme zu infrage kommenden Personen in die Wege geleitet. Zudem wurde ein Nachlasspfleger eingesetzt.

Aufgrund einer Vereinbarung zwischen Gurlitt, dem bayerischen Justizministerium und der Bundesregierung im April 2014 darf die Forschung nach der Herkunft der umstrittenen Bilder bis zum April 2015 fortgeführt werden. Die Vereinbarung ist über den Tod Gurlitts hinaus gültig und ebenfalls für seine Erben bindend. Desweiteren sieht sie bei Nachweis eines unrechtmäßigen Entzugs eine gerechte und faire Lösung gemeinsam mit den Anspruchstellern vor. Die betroffenen Werke bleiben dementsprechend bis zum Ablauf der Vereinbarung in Deutschland, während der Rest der Sammlung bei Annahme des Erbes nach Bern überführt werden könnte. Außerdem ist das Kunstmuseum Bern als Rechtsnachfolgerin des Kunstsammlers nunmehr sowohl Ansprechpartner für die Taskforce als auch für die Erben der einstigen Besitzer der Kunstwerke auf Leinwand.

Bildquelle: © hamburg-fotos-bilder.de / Pixelio.de

Einigung um Kunst auf Leinwand – Gurlitt erhält seine Bilder zurück

justitzSeit letzter Woche ist es amtlich: Cornelius Gurlitt erhält seine Kunstsammlung zurück. Die ursprünglich von seinem Vater stammende Sammlung wurde in der Schwabinger Wohnung Gurlitts im Jahre 2012 von der Staatsanwaltschaft Augsburg beschlagnahmt. Es dauerte damals mehrere Tage, um die fast 1300 gerahmten und ungerahmten Bilder aus der Wohnung zu schaffen. Später wurden in Salzburg in einer anderen Wohnung Gurlitts weitere Gemälde gefunden. Dadurch erhöhte sich die Zahl der beschlagnahmten Kunstwerke auf über 1500.

Am 9. April 2014 hob die Staatsanwaltschaft Augsburg unter Begründung auf neue Erkenntnisse im Ermittlungsverfahren die Beschlagnahmung auf. Gurlitt bekommt seine Sammlung zurück. Unter anderem wurde im Zuge dessen bekannt, dass es zwischen dem Kunstsammler und den deutschen Behörden eine Vereinbarung gab. Inhalt derselben war eine Bereiterklärung Gurlitts, dass er bei einer Aufhebung der Beschlagnahmung Bilder ungeklärter Herkunft für eine Erforschung ihres Ursprungs zur Verfügung stelle. Sollte sich bei diesen der Verdacht auf NS-Raubkunst bestätigen und eine Anspruchserhebung von Erben vorliegen, sei er zu einer Herausgabe der Bilder bereit.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft umfasst der Beschluss die Herausgabe aller Bilder aus der Schwabinger Wohnung. Darunter befinden sich rund 500 Bilder, bei denen der Verdacht auf NS-Raubkunst besteht. Bei den betreffenden Bildern wird sich die Arbeitsgruppe„Schwabinger Kunstfund“ weiter mit der Herkunft beschäftigen. Wo die Werke bis zur Klärung derselben gelagert werden und wie das weitere Vorgehen überhaupt aussehen wird, dazu äußerte sich die Staatsanwaltschaft nicht. Gurlitt selbst sagte, er werde die Bilder in eine treuhänderische Verwahrung übergeben. Somit ist die Angelegenheit immer noch nicht aufgeklärt und wird uns wohl weiterhin beschäftigen. Es ist davon auszugehen, dass einige der Bilder an die Erben der ehemaligen rechtmäßigen Besitzer zurückgehen. Allerdings setzt das das Finden der Erben voraus. In der Internetdatenbank lostart.de wurden bereits einige Werke auf Leinwand aus der Kunstsammlung von Gurlitt veröffentlicht. Weitere werden bei Gelegenheit folgen.

Nach Veröffentlichung der ersten 25 Bilder konnten 13 von diesen als früheres Eigentum des Rechtsanwalts Fritz Salo Glaser aus Dresden identifiziert werden. Die vollständige Bekanntgabe aller möglichen NS-Raubkunstwerke aus der Gurlitt´schen Sammlung wurde im November 2013 in Aussicht gestellt. Im Januar 2014 entschied das Augsburger Verwaltungsgericht, dass die Presse ein Recht auf eine vollständige Liste aller Werke habe, allerdings ist die Entscheidung bis dato nicht rechtskräftig.

Die Beschlagnahmung galt unter Rechtsexperten als umstritten. Viele Juristen zweifelten die Rechtmäßigkeit der Maßnahme an. Ursprünglich bestand gegen Gurlitt der Verdacht auf Hinterziehung von Steuern aus Bilderverkäufen. Daraufhin wurde die Sammlung beschlagnahmt und von 40 Ermittlern sichergestellt. Erst im Laufe der Ermittlungen tat sich der Verdacht auf NS-Raubkunst auf. Die Bundesregierung nutzte daher die Beschlagnahmung auch als Beweis für die jüdische Gemeinschaft, dass man sich durch die Aufklärung der Herkunft der Bilder um späte Gerechtigkeit für die Opfer des Naziregimes bemühe. Aus welchem Grund die Sammlung anfangs beschlagnahmt wurde, war für manche am Ende nur noch schwer erkennbar. Der Vorwurf, dass es sich bei einem Teil der Kunstsammlung um NS-Raubkunst handele, überschattete schnell den eigentlichen Tatvorwurf. Jetzt erhält Gurlitt erst einmal seine Sammlung zurück, die Provenienz der strittigen Bilder darf weiter untersucht werden, somit hat jeder vorerst das erreicht, was er wollte.

Bildquelle: © Thorben Wengert / Pixelio.de

Neue Spur zu vor 17 Jahren verschwundenen Klimt-Gemälde auf Leinwand entdeckt

684383_web_R_K_B_by_Angela Parszyk_pixelio.deEs gibt einige Bilder von Gustav Klimt, die Aufsehen erregen und das nicht nur wegen ihrer künstlerischen Aussagekraft. Von Zeit zu Zeit kommt es vor, dass Gemälde von Klimt auf rätselhafte Weise verschwinden und manche von ihnen tauchen auch irgendwann wieder auf. Ein vor 17 Jahren bei Restaurationsarbeiten aus der Galerie von Piacenza gestohlenes Bild von Gustav Klimt ist aber bis heute verschollen. Damals funktionierte die Alarmanlage nicht, die Diebe hatten leichtes Spiel, das kostbare Kunstwerk an sich zu nehmen. Das war am 19. Februar 1997. Wegen seinem hohen Bekanntheitsgrad gilt das Ölgemälde als unverkäuflich, aufgetaucht ist es dennoch nicht wieder.

Kurz nach der Tat wurde gegen einen Galerieaufseher ermittelt. Aus Mangel an Beweisen stellte man die Ermittlungen schließlich ein. Desweiteren gab es Spuren, die ins Ausland führten. Trotzdem wurden die Diebe nicht gefasst und das Bild blieb verschwunden. Nun will die italienische Polizei eine neue Untersuchung des Falls in die Wege leiten. Der technologische Fortschritt auf dem Gebiet der Kriminaltechnik könne möglicherweise neue Erkenntnisse in dem Fall bringen. Die Rede ist von einer Spur, die einst auf dem Rahmen des Bildes entdeckt wurde. Da allerdings zu jener Zeit noch keine Auswertung von DNA-Spuren durchgeführt werden konnte, soll dies nunmehr nachgeholt werden. Eventuell ergebe sich dadurch eine Spur zu den Dieben. Kunstexperten gehen bei dem Diebstahl des Ölbildes aus den Jahren 1916/17 von einem Auftragsdiebstahl aus.

Um zahlreiche Bilder von Klimt ranken sich Mythen. So tauchte im Sommer des Jahres 2012 in einer Garage in Oberösterreich ein Bild auf, das von Experten als „schlechte Dekorationsmalerei“ bezeichnet wurde. Nachdem im Gustav-Klimt-Werkkatalog Studien von Klimts Bruder Ernst zu diesem Gemälde gefunden wurde, ordnete man das Werk Ernst Klimt und Franz Matsch zu. Später aber wurde „Der trompetende Putto“ von Wissenschaftlern der Universität Hannover als „echter“ Gustav Klimt identifiziert.

Ursprünglich war das Kunstwerk, ein Deckenfresko mit einem Durchmesser von 170 Zentimetern, im Wiener Atelier von Gustav Klimt zu sehen. Als in dem Haus ein Lift eingebaut wurde, lagerte man das Kunstwerk ein. Danach kam es nicht wieder zum Vorschein und galt als verschwunden, bis es plötzlich nach einem Vierteljahrhundert in einer Garage gefunden wurde. Die Experten der Uni Hannover untersuchten das Werk naturwissenschaftlich und arbeiteten dabei mit österreichischen Kunsthistorikern zusammen. Im Ergebnis wurde es als eine Arbeit von Gustav Klimt identifiziert. Während der Untersuchung fanden die Wissenschaftler ebenfalls heraus, dass das Gemälde übermalt wurde. Dies erschwerte die rein optische Begutachtung enorm, wodurch wiederum eine naturwissenschaftliche Analyse erforderlich wurde. Sie brachte letztendlich Klarheit über die Echtheit des Gemäldes.

Gustav Klimt war einer der bekanntesten Vertreter des Wiener Jugendstils. Einige seiner Werke wurden zu NS-Raubkunst und nicht alle sind bis heute wieder aufgetaucht beziehungsweise wurden an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben worden. Am 8. November 2006 fand eine Versteigerung von vier Gemälden Klimts statt, die einen Gesamterlös von 327,7 Millionen Dollar – das sind umgerechnet 257,6 Millionen Euro – einbrachte. Die vier Bilder auf Leinwand waren erst kurz zuvor den rechtmäßigen Erben durch einen Schiedsgerichtsspruch übereignet worden. Das Land Österreich hatte auf sein Vorkaufsrecht für 300 Millionen Dollar verzichtet.

Bildquelle: © Angela Parszyk / Pixelio.de

Kunst auf Leinwand doch freiwillig zurück an rechtmäßige Besitzer?

667340_web_R_K_by_Tony Hegewald_pixelio.deIm Jahre 2012 geriet der bekannte Kunstsammler Cornelius Gurlitt in die Schlagzeilen, als die Augsburger Staatsanwaltschaft in seiner Wohnung seine fast 1.300 Werke umfassende Kunstsammlung beschlagnahmte. Als Grund dafür wurde der Verdacht auf Unterschlagung und Steuerhinterziehung angegeben. Es ergab sich, dass einige Exemplare zur NS-Raubkunst zählten. Demzufolge gingen in der Folgezeit zahlreiche Herausgabeklagen beim Gericht ein.

Eine erste offizielle Stellungnahme zum Sachverhalt bezog Gurlitt im November 2013. Unter anderem gab er damals gegenüber dem Magazin „Der Spiegel“ an, dass er nicht gewillt sei, die betreffenden Werke freiwillig herauszugeben. Jetzt ließ er die Aussage von seinem Anwalt widerrufen. Dieser teilte mit, Gurlitt werde sich die Klagen genau anschauen und anschließend eine Lösung mit den jeweiligen Parteien aushandeln, die fair und gerecht ist. Das eigens zur Aufklärung gegründete Team „Schwabinger Kunstfund“ hat Gurlitt eine Aufstellung der Werke zukommen lassen, zu denen Anfragen von möglichen Erben vorliegen. Allerdings beinhalten jene nur wenige Anfragen mit konkreten Forderungen, betreffend echte NS-Raubkunst, erklärte Gurlitts Anwalt. Zugleich liefen Verhandlungen mit den Behörden zur Rückgabe der tatsächlich im Eigentum des Kunstsammlers stehenden Werke an diesen.

Nach Aussage der Sondereinheit in Berlin erfolgte bisher die Identifizierung von 458 Objekten als NS-Raubkunst. Zu sehen sind die Grafiken, Zeichnungen und Gemälde in der Lost Art Internet Datenbank der Koordinierungsstelle Magdeburg. Die Herkunft der Werke aus der Gurlittschen Kunstsammlung soll so durch die Mithilfe der Öffentlichkeit geklärt werden. Die Lost Art Internet Datenbank ist eine Einrichtung für Kulturgutdokumentation und Kulturgutverlust infolge des Nazi-Regimes und wird vom Bund sowie den Ländern der Bundesrepublik Deutschland betrieben. Die erste Sichtung der Kunstgegenstände ist abgeschlossen. Der Anwalt des Sammlers monierte, dass es im Rahmen derer für zahlreiche Bilder überhaupt keine Anfragen gab. Hier wurde lediglich pauschal der Verdacht auf NS-Raubkunst erhoben.

Das mit der Identifizierung und Herkunftsbestimmung beauftragte Team steht unter Leitung der früheren Kulturpolitikerin Ingeborg Berggreen-Merkel. Unterstützt wird sie unter anderem von Uwe Hartmann als Leiter der Berliner Arbeitsstelle für Provenienzforschung, von Meike Hoffmann, die Projektkoordinatorin der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ an der Freien Universität Berlin ist, sowie dem Leiter der Magdeburger Koordinierungsstelle für Kulturverluste, Michael Franz. Auch Shlomit Steinberg vom Israel Museum und Yehudit Schendar von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem gehören dem international besetztem Expertenteam an. Die Einsetzung desselben wurde vom Bundesland Bayern und der Bundesregierung beauftragt. Die Aufgabe der Arbeitsgruppe ist die Unterstützung der Augsburger Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen zur Herkunft der Kunstwerke aus Gurlitts Wohnung. Er hatte die Sammlung von seinem Vater geerbt.

Hildebrand Gurlitt war ein Kunsthändler, der im Auftrag von Hitler agierte. Die Sammlung galt als verschollen, bis sie von den Ermittlern in der Wohnung von Cornelius Gurlitt entdeckt wurde. Die Sicherstellung der Werke, welche zum Teil auf Leinwand verewigt wurden, nahm mehrere Tage in Anspruch. Sie ging vom 28. Februar bis 2. März 2012. Bekannt wurde sie erst im vergangenen Herbst. Bis dahin lebte Gurlitt zurückgezogen und widmete sich hauptsächlich der Erhaltung der Sammlung, ohne aber eigene Käufe zu tätigen. Im Sommer 2011 wurde vom Kölner Auktionshaus Lempertz das Werk „Löwenbändiger“ von Max Beckmann für 864.000 Euro versteigert. Den Verkaufserlös teilte Gurlitt im Nachhinein mit den Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim, da im Zuge der Herkunftsermittlung der Verdacht nahelag, dass jener das Werk aufgrund der Verfolgung durch die Nazis verkaufte.  

Bildquelle: © Tony Hegewald / Pixelio.de

Raubkunst im Bundestag? – Woher stammen die Gemälde auf Leinwand?

417566_web_R_K_B_by_Berthold Kamps_pixelio.deNachdem aufgrund der letzten Ereignisse in der Kunstszene verstärkt nach Nazi-Raubkunst Ausschau gehalten wird, ist anscheinend schon wieder ein aufsehenerregender Fund ans Licht gekommen. Im Parlament wurden vom Kunstbeirat des Deutschen Bundestags zwei bedeutende Gemälde entdeckt. Zum einen ist es ein Ölgemälde aus dem Jahre 1905 von Georg Waltenberger mit dem Titel “Kanzler Bülow spricht im Reichstag”, zum anderen eine Kreidelitographie von Lovis Corinth aus dem Jahre 1918 mit dem Namen “Straße in Königsburg”. Letzteres kommt offensichtlich aus der Kunstsammlung der Familie Gurlitt aus München, bei welcher im Februar 2012 über 1.200 Werke namhafter Künstler wegen des Verdachts auf Nazi-Raubkunst beschlagnahmt wurden. Wem die beiden Kunstwerke im Bundestag gehören, gab die Bundestagsverwaltung nicht bekannt.

Zudem handelt es sich nicht um den ersten Fall von gefundener Raubkunst im Bundestag. Vor vier Jahren kam das von Franz von Lenbach stammende Gemälde Bismarck mit dem Schlapphutwieder zurück zu seinen Besitzern. Auch dieses Werk wurde einst von Nazis gestohlen und war später im Bundestag aufgetaucht, von wo aus es an die Erben des früheren Besitzers zurückgelangte. Weiterhin erging vor einiger Zeit ein Beschluss des Kunstbeirats, mit welchem 2012 die Beauftragung einer Kunsthistorikerin erfolgte, die mit der Suche nach Raubkunst im Bundestag betraut wurde. Insgesamt 4.000 Exponate umfasst die Sammlung des Parlamentes der Bundesrepublik Deutschland. Nach dem Stand der bisherigen Auswertung gibt es hier 108 Gemälde, deren Herkunft ungeklärt ist. Der Verdacht auf NS-Raubkunst liegt nahe. Die Auswertung soll spätestens im April des nächsten Jahres ihren Abschluss finden.

Unter dem Vorwand der „Entartung“ beschlagnahmten die Nazis in den 1930er und 1940er Jahren zahlreiche Kunstwerke. Die Künstler wurden unterdrückt, ins Gefängnis geworfen oder landeten gar in den Konzentrationslagern. Vor allem Anhänger des Impressionismus, Expressionismus, Kubismus, Surrealismus und Dadaismus waren betroffen. Diese Kunststile passten ästhetisch nicht in das vom NS-Regime propagierte Menschenbild und mussten daher aus der Öffentlichkeit verschwinden, was aber nicht bedeutete, dass die Kunstwerke nicht weiter verkauft oder selbst behalten wurden.

Vor allem die Vertreter des deutschen Expressionismus rückten mit ihren verzerrten Darstellungen vom Idealbild des Deutschen ins Visier der Nationalsozialisten. Darunter befanden sich etwa Künstler wie Max Pechstein, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel, die als Dresdner Künstlergemeinschaft “Die Brücke” agierten. Auch die Mitglieder der 1919 von Walter Gropius gegründeten Kunstschule „Bauhaus“ und die Neue Sachlichkeit von Otto Dix waren dem NS-Regime ein Dorn im Auge. Per Gesetz konnten Museen, die derartige Werke nicht aus ihren Ausstellungen entfernten, ab 1938 enteignet werden.

Viele der entarteten Gemälde verschwanden damals auf Nimmerwiedersehen, so auch ein Teil der im November 2013 in München entdeckten Kunstsammlung eines 80jährigen, die rund 1.500 Kunstwerke umfasste. Offizielle Suchmeldungen liegen für mindestens 200 Gemälde aus dem Bestand vor, außerdem gehören wenigstens 300 Werke zu den einst verschollenen Museumsstücken der „entarteten Kunst“. Sogar Gemälde von Picasso, Chagall, Liebermann und Marc auf Leinwand wurden bei dem Mann, der der Sohn eines Kunsthändlers ist, gefunden. Der Wert wird laut unbestätigten Angaben auf etwa eine Milliarde Euro geschätzt. In den 1930er- und 1940er-Jahren habe der Vater die Bilder aufgekauft. Sein Sohn hat später die Kunstwerke in seiner Wohnung versteckt und bei Bedarf eines von ihnen verkauft, um sein Leben zu finanzieren. Bei der Beschlagnahme der Bilder hat er keinerlei Widerstand geleistet.

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