Categories
Allgemein

Etiketten waren der Anfang des Museums für DDR-Produkte in Erfurt

Das Museum für DDR-Produkte in Erfurt entstand aus einer privaten Sammelleidenschaft heraus, deren Grundstein das Sammeln von Etiketten bildet

Die gute alte Zeit! Nicht jeder im ehemals geteilten Deutschland erinnert sich mit Freuden daran. Doch ins Museum für DDR-Produkte in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt kommt man gerade aus diesem Grund. Der Besuch im privaten Museum von Gisela Bruchner ist tatsächlich wie ein Ausflug in die Vergangenheit. Die liebevoll eingerichtete Ausstellung in der Heinrichstraße 94 zeigt Exponate aus der DDR-Zeit in großer Menge. Inzwischen ist der Platzbedarf so enorm geworden, dass die Rentnerin ein ganzes Haus kaufen musste. Vorher war das Museum in der Paulstraße beheimatet. Jetzt findet man es in der Brühlervorstadt unter der bereits oben genannten Adresse.

In dem sanierungsbedürftigen Haus richtet Bruchner nun nach und nach ihr Museum ein. Das ist ein kosten- und zeitintensives Unterfangen. Vieles versucht die Museumsbetreiberin selbst zu machen, aber es gibt auch mindestens ebenso vieles, was durch Handwerker erledigt werden muss, die natürlich dafür bezahlt werden wollen. Das Geld ist knapp. Deshalb hat es auch noch keine richtige Eröffnung am neuen Standort gegeben. Trotzdem will Gisela Bruchner weiter sammeln und ihre gesammelten Werke der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Zum Verstauben in Kisten und Kästen sind diese zu schade, auch wenn zurzeit noch sehr viel Arbeit wartet.

Das Erdgeschoss ist schon zum größten Teil eingeräumt, aber hier und da fehlt noch etwas. So sucht man zum Beispiel nach einem Regal aus einem alten Dorfkonsum zur standesgemäßen Präsentation der Waren. Jeder Raum hat ein eigenes Thema. Das erste Obergeschoß ist wie eine Wohnung eingerichtet, welche man bei einem Rundgang bis in den kleinsten Winkel kennenlernt. Da gibt es ein Bad, eine Küche, ein Wohnzimmer und sogar ein Bibliothekszimmer mit einer Leseecke. Dort kann man es sich bequem machen und in alter „DDR-Literatur“ schmökern. Wer nicht sitzen möchte, kann sich an den Wänden Tapeten und Poster, aber auch Postkarten, Eintrittskarten oder Etiketten auf Tafeln anschauen. In Aktenordnern hat Bruchner sorgfältig Preisschilder, Gebrauchsanweisungen von Haushaltsgeräten und alte Quittungen eingeheftet, die man nach Herzenslust nach Bekanntem durchstöbern kann. Bisher ist zwar nicht alles ausgepackt, aber der Museumsbesucher bekommt trotzdem jede Menge Gelegenheit, in alten Erinnerungen zu schwelgen und einige Stunden im Museum zu verbringen.

Die Sammelleidenschaft brach bei Gisela Bruchner kurz nach der Wende in den 1990er Jahren aus. Anfangs sammelte sie nur Etiketten, später ärgerte sie sich darüber, dass vieles auf dem Müll landete, bloß weil es aus DDR-Zeiten stammte. Zur damaligen Zeit war sie noch berufstätig und konnte es nicht glauben, dass man beispielsweise Büros komplett ausräumte und das ganze Inventar erneuerte, bloß weil die Ära der DDR vorbei war. Sie fing also damit an, Dinge einfach aufzuheben.

Aktuell sind fast alle Exponate schriftlich erfasst. Es kommen aber auch immer wieder Sachen dazu. Im neuen Gebäude ist mehr Platz, sodass Bruckner zunächst für alles aus der DDR-Produktion offen ist. Sogar ein Original-Wartburg war schon einmal im Gespräch. An Ideen mangelt es der Museumsinhaberin nicht, aber sie hat nur zwei Hände. Gern würde sie die Arbeit mit ehrenamtlichen Helfern teilen. Diese dürfen sich jederzeit bei ihr melden. Interessenten steht das Museum für DDR-Produkte Mittwoch und Donnerstag von 10-18 sowie Samstag und Sonntag von 13-18 Uhr für einen Besuch offen.

Bildquelle: © Sven Grundmann / Pixelio.de